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Vorsicht: Trickdiebe in der Wohnung!

Als Polizist hatte Lothar Schirmer sein Leben lang mit Kriminalität zu tun. In der SoVD-Zeitung und in Beiträgen auf SoVD-TV warnt der Kriminalrat a.D. nun vor den Tricks der Gauner und Ganoven. Vor allem ältere Menschen will er auf diese Weise vor Schaden bewahren

Fall Nr. 1: Die diebische Elster

Mit zwei Einkaufsbeuteln schwer bepackt, kam Frau Gerstner vom Einkauf zurück. Als sie vor der Tür ihres fünfgeschossigen Wohnhauses stehen blieb, um den Haustürschlüssel zu suchen, trat eine junge Frau neben sie, grüßte freundlich und drückte augenscheinlich auf einen Klingelknopf der obersten Etage. Da der Summer nicht betätigt wurde, sagte sie, dass sie für eine Mieterin eine Änderungsschneiderei abgeben müsse und bot sich an, die Einkaufsbeutel zu tragen. Froh über die unerwartete Hilfe, stieg Frau Gerstner mit ihrer Begleiterin bis zu ihrer Wohnung in der vierten Etage. Dort schloss sie die Tür auf, bedankte sich und wollte die Beutel entgegennehmen. Dazu kam sie aber nicht. Die fremde Frau sagte: "Ach, die kann ich Ihnen doch gleich rein tragen", drängelte die Dame sanft vor sich her, durch den Flur bis in die Küche. Dort angekommen, bat sie um einen Zettel, auf dem sie der Mieterin eine Nachricht wegen der Änderungsschneiderei hinterlassen könne. Während des Schreibens redete die junge Frau ständig auf Frau Gerstner ein, so dass diese nicht bemerkte, wie eine zweite Frau durch die nur angelehnte Wohnungstür herein kam und im Schlafzimmer alle Schränke durchsuchte. Nach zwei, drei Minuten stand diese Frau plötzlich in der weit geöffneten Tür zum Flur und rief: "Wo bleibst du denn? Ich habe keine Zeit länger auf dich zu warten!" Die vermeintliche Maßschneiderin nahm ihren Zettel, bedankte sich brav und beide Frauen verschwanden. Vom Auftauchen der zweiten Frau misstrauisch geworden, schaute die Seniorin in ihr Schlafzimmer. Dort standen alle Schränke auf und aus dem Wäschefach fehlte ihr gesamtes gespartes Geld. Und nun sollten sie genau lesen; stolze 70.000 Euro!

Fall Nr. 2: Blumen von der Stadtverwaltung

Sie haben richtig investiert, die Trickdiebinnen, die sich als Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung ausgaben. Von der Tankstelle holten sie mehrere Blumensträuße und fuhren dann mit ihrem PKW in die verschiedensten Seniorenheime der Region. Dort angekommen warfen sie einen Blick auf den Belegungsplan, der meistens im Flur hing und klopften wahllos an die eine und andere Zimmertür. War eine Seniorin allein im Zimmer, überbrachten sie, mit dem freundlichsten Lächeln herzliche Grüße von der Stadtverwaltung, erkundigten sich nach dem Wohlbefinden, fragten nach Mängeln in der Betreuung und ganz privaten Sorgen, für deren Beseitigung sie sich als Helfer anboten. Na ja, das war Balsam für alte, alleingelassene und oft vergessene Seelen. Mit dieser gespielten Fürsorglichkeit erhaschten sich die Betrügerinnen das Vertrauen der Heimbewohner, lenkten sie gebührend ab und stahlen aus Schränken und Schubladen Portemonnaies, EC-Karten und Schmuck. Als der Verlust von den Senioren später bemerkt wurde, erinnerte man sich an das Fahrzeug, mit dem die Unglücksengel gekommen waren und, man sollte es kaum glauben, einer hatte sich das Kennzeichen notiert, und die Polizei konnte das Diebespaar schnappen.

Trickdiebe in der Wohnung

Wer denkt, Trickdiebe begegnen einem nur im dichten Gedränge auf Straßen, in Verkehrsmitteln oder dort, wo sich viele Touristen tummeln, der irrt. Sie scheuen sich nicht einmal vor "Hausbesuchen", klopfen einfach an Ihre Tür, lenken Sie ab und stehlen, was sie in die Finger bekommen. Was sich da abspielt, ist oft bühnenreif. Befragt man die Opfer, hört man häufig Erklärungen wie: "Der war so nett und freundlich?" oder: "So eine gut aussehende junge Frau und wie die reden konnte?" Aber genau das ist das Prinzip der Trickdiebe. Sie treten freundlich auf, zeigen sich hilfsbereit und haben immer eine perfekte, glaubwürdige Legende parat. Das öffnet ihnen die Tür. In unserem ersten Fall war es die Legende von der Änderungsschneiderin. Am selben Tag tauchten die beiden Frauen bei einem Rentner auf und baten, seine Wohnung besichtigen zu dürfen, weil sie in eine artgleiche zwei Stockwerke darüber einziehen wollen und der Mieter gerade nicht zu hause sei. Das Ergebnis: Nach der Besichtigung fehlten dem Rentner mehrere tausend Euro und Schmuck. In solchen Fällen hilft nur, grundsätzlich keine fremden Personen in die Wohnung zu lassen. Klingelt jemand an Ihrer Tür, dann schauen Sie durch den Türspion wer es ist, legen Sie die Sperrkette vor und öffnen Sie nur einen Spalt, während Sie nach dem Anliegen fragen. Ist es erforderlich ein Gespräch in Ihrer Wohnung zu führen, dann bitten Sie Nachbarn oder Verwandte hinzu. Wenn sie bewusst Misstrauen zeigen und konsequent sind, geben Trickdiebe auf und suchen sich andere Opfer. Im Fall der Rentnerin im Seniorenheim, haben die Trickdiebinnen einfach den Umstand ausgenutzt, dass vom meist überforderten Personal des Heimes kaum überprüft wird, wer die Senioren besucht und diese dann skrupellos bestohlen. Da hilft nur, Bargeld und Wertsachen in einem Tresor im Zimmer oder zentral bei der Heimverwaltung zu lagern. Oft gibt es in Pflegeheimen die Möglichkeit ein Treuhandkonto zu errichten. Von dem kann das Personal dann für den Heimbewohner einkaufen, bis das Budget erschöpft ist und erneuert wird. Trifft man fremde Personen in den Gängen des Heimes an, sollte man diese ansprechen und fragen, ob man helfen kann. Trickdiebe fühlen sich so ertappt und verunsichert und verschwinden lieber, bevor sie enttarnt werden.

Das sollten Sie wissen

  • Lassen Sie grundsätzlich keine Fremden in die Wohnung.
  • Klingelt jemand an Ihrer Tür, dann schauen Sie durch den Türspion, bevor Sie bei vorgelegter Kette die Tür öffnen und das Anliegen erfragen.
  • Bitten Sie Nachbarn oder Verwandte an einem möglichen Gespräch mit dem Besucher teilzunehmen.
  • Bittet man Sie etwas herauszugeben (Zettel, Bleistift, etc.), dann schließen Sie die Tür wieder, bevor sie dies dem Fremden übergeben.
  • Zeigt man Misstrauen und Konsequenz, geben Trickdiebe auf und suchen sich andere Opfer.
  • Sind Sie Bewohner eines Seniorenheimes, dann bewahren Sie Wertsachen und Bargeld in einem Tresor auf.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre Einkäufe über ein Treuhandkonto des Heimes zu bezahlen.
  • Verständigen Sie beim Auftauchen fremder Personen das Personal.

 

 

Zur Ausgabe Februar 2014 der SoVD-Zeitung