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Minijobberinnen in Armut und Abhängigkeit

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) warnen vor den sozialen Folgen von Minijobs für Frauen. Anlässlich der 9. Frauen-Alterssicherungskonferenz in Berlin legten SoVD und ver.di als starke Partner gemeinsam fünf Forderungen für eine verantwortungsvolle Sozialpolitik für Frauen vor.

"Minijobs"  oder "450-Euro-Jobs" sind eine Sonderform abhängiger Erwerbstätigkeit. Sogenannte "geringfügig" Beschäftigte sind von der Einkommenssteuer und der Sozialversicherung freigestellt. 70 Prozent der Beschäftigten, die zu Niedriglöhnen unter 8,50 Euro arbeiten, sind Frauen. Bei den ausschließlich geringfügig Beschäftigten, im "Minijob pur", liegt ihr Anteil bei zwei Drittel. 84 Prozent der Frauen sind verheiratet.

Ursprünglich als arbeitsmarktpolitisches Instrument geschaffen, sollten Minijobs für Langzeitarbeitslose und für Frauen nach familienbedingten Erwerbsunterbrechungen eine Brücke in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis sein. Aktuelle Studien belegen hingegen eine schnell einsetzende und lang anhaltende Klebewirkung gerade im "Minijob pur".

"Minijobs sind zuerst ein Lockmittel und später eine Falle. Sie erzeugen lebenslange Abhängigkeit und führen Frauen auf direktem Weg in die Altersarmut", warnte die Bundesfrauensprecherin des SoVD, Edda Schliepack, in ihrer Rede vor rund 180 Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmern.

Auch ver.di-Bundesvorstandsmitglied Eva-Maria Welskop-Deffaa mahnte: "Minijobs versagen als Brücke in ein reguläres Arbeitsverhältnis und verhindern auf Dauer eine angemessene gesetzliche Rente."

Prof. Dr. Ursula Engelen-Kefer, Vorsitzende des SoVD-Arbeitskreises Sozialversicherung, machte anhand transparenter Beispiele das Herunterspielen der Probleme von Minijobberinnen deutlich. Die Probleme seien nicht isoliert, sondern als Teil der Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft zu begreifen.
Aus Sicht der Gewerkschaft und des Sozialverbandes steht die Politik in der Pflicht, ein auf Eigenständigkeit ausgerichtetes Familienleitbild zu entwickeln. Auf dieser Basis sei die Alterssicherung von Frauen künftig besser zu gewährleisten. Diese Position und Einschätzung wurde in allen drei Beiträgen der Rednerinnen deutlich.
ver.di und SoVD fordern deshalb mehr versicherungspflichtige Beschäftigung, einen gesetzlichen und bundeseinheitlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro sowie die Einführung eines Entgeltgleichheitsgesetzes.

Mit den Bundestagsabgeordneten Christel Humme (SPD), Elkin Deligöz (Die Grünen), Cornelia Möhring (Die Linke) und Norbert Geis (CSU) wurden nach der Mittagspause verschiedene Lösungsansätze zur Eindämmung und Abschaffung von Minijobs diskutiert. Christel Humme bezeichnete diese in ihrem Statement als "die schlimmste Ausprägung der Teilung des Arbeitsmarktes in männlich und weiblich".
Die Erklärung der 9. Frauen-Alterssicherungskonferenz, die von den Abteilungsleiterinnen Dr. Judith Kerschbaumer, Karin Schwendler (beide ver.di) und Referentin Dr. Simone Real (SoVD) organisiert wurde, steht unter www.sovd.de/www.ver.di.de zum Download bereit.

Zur Ausgabe September 2013 der SoVD-Zeitung