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Wachsende Angst vor dem sozialen Abstieg

Vor wenigen Wochen drang der Entwurf eines Berichtes der Bundesregierung an die Öffentlichkeit, in dem die Situation der Armut in unserem Land erfasst werden sollte. Über die Inhalte wird seitdem jedoch gestritten. Dabei könnte eine regelmäßige Berichterstattung durchaus zur Überwindung der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich führen. Allerdings bemängelt der SoVD, dass in dem Berichtsentwurf nicht einwandfrei zwischen Wertung und Analyse zu unterscheiden ist.

Der Entwurf des 4. Armuts- und Reichtumsberichtes zeigt aus Sicht des SoVD sehr deutlich, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet hat. Die Spreizung der Einkommen hat ebenso zugenommen wie das Risiko der Einkommensarmut. Zu den gefährdeten Gruppen gehören Langzeitarbeitslose, Personen ohne Berufsausbildung, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Schlussfolgerung, dass die Daten und Zahlen "alles in allem eine positive Entwicklung der Lebenslagen in Deutschland belegen" lässt sich mit der Lebensrealität für den Großteil der Bevölkerung kaum in Einklang bringen.

Was ist Armut?

Eine wichtige Rolle spielt zunächst einmal die Definition von Armut. Häufig wird hierbei zwischen relativer und absoluter Armut unterschieden. Absolute Armut ist gekennzeichnet von einem ständigen Kampf ums Überleben und dem Mangel an lebenswichtigen Grundbedürfnissen. Die weltweit über eine Milliarde Menschen, die in diese Kategorie fallen, haben weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung. In Industriestaaten wie etwa Deutschland tritt Armut in der Regel relativ auf. Das bedeutet, dass eine auftretende Unterversorgung und ein Mangel an Lebenschancen ins Verhältnis gesetzt wird zu dem Wohlstand der jeweiligen Gesellschaft. Relative Armut ist somit eng mit sozialer Ungleichheit verknüpft.

Um das Ausmaß von Armut zu erfassen, orientierte man sich zunächst an dem verfügbaren Einkommen. Demnach gilt in Deutschland als "relativ arm", wer weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens einer Bevölkerungsgruppe zur Verfügung hat. Da Armut jedoch nicht allein am Einkommen bemessen werden kann, wurde mit dem sogenannten Lebenslagenkonzept ein weiterer Ansatz geschaffen. Dieser geht stärker als die rein finanzielle Betrachtung auf eine Unterversorgung in Bereichen wie Gesundheit, Wohnen oder Bildung ein. Allen Betrachtungen gemeinsam ist dabei die Frage, inwieweit es den Betroffenen möglich ist, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Kritik am Armutsbericht der Bundesregierung

Unter der Überschrift "Lebenslagen in Deutschland ? Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung" wird seit einigen Jahren die wirtschaftliche und die soziale Lage der Menschen in Deutschland erfasst. Dadurch sollen letztlich politische Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut ermöglicht werden. Nach der Veröffentlichung des dritten Armutsberichtes im Juni 2008, liegt der vierte Bericht der Bundesregierung bisher als Entwurf den Ministerien zur Abstimmung vor. Dabei wurden ursprünglich getroffene Aussagen, die etwa ein verletztes Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung oder eine Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts feststellten, offensichtlich gestrichen. Kritik an einer derart geschönten Darstellung kam auch vom Sozialverband Deutschland (SoVD). Verbandspräsident Adolf Bauer rief dazu auf, die ungleiche Chancenverteilung und steigende Armutsrisiken ehrlich zu bewerten. Bauer erklärte, die Bundesregierung tue sich keinen Gefallen, wenn sie versuche, die wahre Lage "mit viel Schminke zu schönen". Der SoVD fordere vielmehr dringend ein Programm gegen soziale Ausgrenzung und für eine gerechte Verteilung der Vermögen.

Zur Ausgabe Januar 2013 der SoVD-Zeitung