Sozialverband Deutschland e.V. > Informieren > Stellungnahmen > Gesundheit - 10.10.2012


Gesundheit - 10.10.2012

Gastkommentar für die Mittelbayerische Zeitung vom 8. Oktober 2012 von Adolf Bauer, Präsident des Sozialverband Deutschland (SoVD)

Der unwürdige Konflikt muss endlich beendet werden

Die Zeichen stehen also auf Streik. Ärzte und Kassen haben es erneut versäumt, eine Einigung zu erzielen. Die nächste Runde im Honorarstreit ist damit sicher. Und das bedeutet, dass es jetzt an das Eingemachte geht. Denn die Androhung von Protesten bis hin zu Praxisschließungen steht längst im Raum. Das versetzt viele Menschen in Angst:

 

Tritt die Verhandlungsrunde weiter auf der Stelle, werden die angekündigten Proteste der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten schon bald real. Diese Gefahr spüren insbesondere diejenigen, die auf eine verlässliche medizinische Versorgung angewiesen sind: Ältere und chronisch kranke Patienten haben längst registriert, dass sie ein Ärztestreik mit voller Härte trifft. Ein jeder weiß, dass überfüllte Wartezimmer und Notaufnahmen einem Schreckensszenario gleichen. Es liegt auf der Hand, wie diese Vorstellung auf Menschen wirkt, die auf eine reibungslose Behandlung angewiesen sind. Augenscheinlich ist auch, dass bereits die Ankündigung derartiger Zustände viel Vertrauen zwischen Arzt und Patient zerstört. Dieser Entwicklung muss schnellstmöglich Einhalt geboten werden. Sie ist den Betroffenen nicht länger zuzumuten. Insbesondere auch deshalb, weil den Ärzten der Schuh in Wahrheit an einer ganz anderen Stelle drückt. Denn laut einer Allensbach-Umfrage ist die überragende Mehrheit mit der ökonomischen Lage ihrer Praxis durchaus zufrieden. Beklagt wird hingegen die zunehmende Arbeitsbelastung. Dagegen sind Praxisschließungen eindeutig eine falsche Antwort.

 

Darauf gilt es jetzt zu achten: Der Honorarstreit darf nicht weiter eskalieren. Insbesondere nicht zu Lasten erkrankter und gesundheitlich benachteiligter Menschen. Sie in einen Arbeitskampf mit unabsehbaren Folgen hinein zu ziehen, verbietet sich. Es wäre unwürdig. Bei allem Verständnis für eine angemessene Ärzte-Vergütung, ist das verbesserte Angebot der Kassen gewissenhaft zu prüfen. Als solide Verhandlungsbasis taugt es allemal. Und auch dieser Punkt muss endlich Beachtung finden: Sowohl die Gesetzliche Krankenversicherung als auch die Kassenärztliche Vereinigung sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie haben den Auftrag, Aufgaben des Staates auszuführen. Dazu gehört, die ärztliche Vergütung in der Selbstverwaltung zu regeln. Die Kontrahenten sollten in der Verhandlungsrunde am kommenden Dienstag zeigen, dass dieser Mechanismus noch funktioniert. Die Zeit drängt. Denn es steht viel mehr als nur die Reputation eines bisher geachteten Berufstandes auf dem Spiel. Kassen und Ärzte stehen in der Pflicht, eine tragfähige Einigung zu erzielen. Vielleicht kehrt dann auch das verlorene Vertrauen der Patienten zurück.

 

Download des Dokuments als PDF-Datei [12 kB]