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SoVD-Mitglieder gegen Praxisgebühr

In der letzten Ausgabe berichteten wir unter der Überschrift "Eintritt zahlen beim Arzt?" über Pläne der Bundesregierung zu einer Reform der Praxisgebühr. Im Gespräch war dabei auch, künftig bei jedem Arztbesuch eine Gebühr von fünf Euro zu erheben. Zwar stieß dieser Vorschlag selbst in den Reihen der Politik auf Ablehnung; zahlreiche Mitglieder des SoVD reagierten jedoch entsetzt darüber, dass eine solche Möglichkeit überhaupt diskutiert wird. Die Briefe und E-Mails, die uns zu diesem Thema erreichten, waren so umfangreich, dass wir einen Teil davon hier abdrucken.

Walter Kerker (Bielefeld): Fest steht, dass niemand freiwillig krank ist (...). Die wachsenden Kosten für die Gesundheit werden wieder einmal in irgendeiner Form den schwächsten Teilen der Bevölkerung aufgebürdet. Von Solidargemeinschaft tatsächlich für alle keine Spur. Aber ist dieser "schwächste Teil" tatsächlich so schwach? Natürlich können Rentner nicht streiken, wie Lokführer, Piloten, Müllabfuhr usw. (...), aber da geht doch bestimmt noch etwas anderes, um bestimmte Politiker zum Umdenken in der Sozialpolitik zu bewegen: Wenn sich alle im Sozialbereich tätigen Verbände einig wären und diese Idee unterstützen würden, könnte Druck aufgebaut werden (...)

Gesine Butke (Nordhorn): Sollte eingeführt werden, dass bei jedem Arztbesuch fünf Euro zu zahlen sind, wären die chronisch Kranken und multimorbiden Menschen besonders betroffen ? sozusagen doppelt gestraft: krank und dafür noch zahlen. (...) Manch einer wird auf die Facharztbehandlung aus Kostengründen verzichten. Dadurch wird manche Behandlung / Heilung verzögert, also für die Kasse teurer.

Rainer Schuchardt (Bremen): Meiner Meinung nach können solche Vorschläge doch nur von Menschen kommen, die keinen Bezug zu chronisch kranken oder älteren Menschen haben. Wie gewissenlos muss man eigentlich sein, die Kostenfrage so in den Vordergrund zu stellen und menschliches Leid mittels Gebühren regeln zu wollen? Menschen erkranken schließlich nicht aus Langeweile, sondern weil mit ihnen etwas nicht stimmt!

Oliver Wilcek (Minden): Ich bin allgemein gegen die Praxisgebühr, da gerade bei chronischen Erkrankungen meistens mehrere Ärzte besucht werden müssen. (...) In meinen Augen entspricht diese Maßnahme nicht dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Gerade Schwerbehinderte müssen oft für Hilfsmittel selbst in die Tasche greifen, da diverse Hilfsmittel durch die Sozialversicherung nicht getragen werden. Durch die Praxisgebühr werden Schwerbehinderte und ältere Menschen schlechtergestellt. Eventuell sollte man diese Angelegenheit mal vor dem Europäischen Gerichtshof klären!

Inge Grünewald-Trojan (Worms): Ich muss jede Woche zu meinem Hausarzt, dort bekomme ich eine Spritze, dann regelmäßig zum Frauenarzt, zum HNO, zum Orthopäden usw. Wie soll ich das bezahlen? Jedes Mal fünf Euro ? das geht nicht!

Klaus Sandmann (Kalletal): Wie geht man mit uns Menschen um? Ist es nicht langsam genug, zu erfahren, dass wir als Rentner immer mehr bezahlen müssen? (...) Lieber SoVD, wer hilft uns Menschen weiter, dass endlich unsere Politiker so richtig ins Rutschen kommen und sich besinnen, wer sie gewählt hat? (...) Wer macht mit, dass wir als SoVD wieder dem gerecht werden können, zu dem wir immer gestanden haben? Herr Bauer, Sie sind jetzt als unser Präsident gefragt: Helfen Sie uns! Starten Sie durch und nehmen uns, Ihre Mitglieder im SoVD, mit!

Achim Hellwig (Wewelsfleth): In meinen Augen ist der Beitrag, der verlangt wird, nicht gerechtfertigt. Die Krankenkassen müssten ihren "Wasserkopf" abbauen, um dadurch Kosten zu sparen. Der Bürger wird immer wieder zum Sparen angehalten. Warum diese Unternehmen nicht?

Willi Riebesehl (Soltau): "Dröpsche bie dröpsche" wird das Wahlvolk seit Jahren ans Ungeheuerliche gewöhnt. Die Summe der Maßnahmen, fälschlicherweise auch "Reformen" genannt, stellt eine Ungeheuerlichkeit dar, die sich keine Koalition, gleich welcher Farbgebung, getraut hätte, im Paket durchsetzen zu wollen. (...) Wann zieht das Wahlvolk daraus Konsequenzen? Bei der Betrachtung allein der in den letzten zehn Jahren dem Volk verkauften "Reformen" grenzt es fast schon an ein Wunder, dass es in Deutschland noch keine Revolution gab.

Silke Abraham (Pölitz): Ich bin entsetzt, dass eine Gebühr für jeden Arztbesuch überhaupt diskutiert wird. Ja glauben die denn, es ist ein Hobby, zum Arzt zu gehen? Mein Mann und ich sind bereits mit Anfang zwanzig unheilbar erkrankt. Heute sind wir 47 Jahre alt und können nur durch 400-Euro-Jobs unseren Kindern die Ausbildung bzw. das Studium finanzieren. Wir versuchen wirklich, dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen. Aber in einer Solidargemeinschaft sollten doch nicht immer nur die Schwachen zur Kasse gebeten werden.

Jürgen Kunze (Dresden): Wenn man für jeden Arztbesuch fünf Euro bezahlen soll, wo soll das hinführen? Ich erhalte nur eine Teilerwerbsrente und eine kleine Unfallrente, liege damit bei knapp 500 Euro. Wenn ich dann auch noch bezahlen muss bei jedem Arztbesuch, bleibt nicht mal mehr was zum Leben. (...) Die, die solche Vorschläge machen, wissen gar nicht mehr, wie es in Deutschland aussieht.

Roberto John (Berlin): Seit Einführung der Praxisgebühr schreiben die Kassen nur noch rote Zahlen. Eigentlich sollte dieses Geld zur Verbesserung der Dienstleistung gegenüber den Patienten sein. Da fragt man sich, wofür das Geld in Wirklichkeit verwendet wird.

Jürgen Höhle (Chemnitz): Auch ich fordere die Rücknahme der Praxisgebühr für Arztbesuche! Ich habe zwei chronische und lebensbedrohende Krankheiten, die monatliche Konsultationen erfordern. (...) Die Regierung sollte lieber die bei der Wiedervereinigung (vor 20 Jahren!) versprochene Angleichung der Rentenpunkte vollziehen. Merkel und Anhang verhalten sich weder sozial noch christlich!

Thomas Repp (Buchen): Das Ungleichgewicht im Solidarsystem driftet immer weiter ins Unrecht. Die wirklich Kranken und Hilfsbedürftigen werden immer weiter bis aufs Blut geschröpft und die Gierigen dort oben leben in einer anderen Welt, wo nur Zahlen und Gewinn etwas bedeuten. (...) Was sind das für Menschen, die sowas zulassen?

Brigitte Bonneval (Hamburg): Für mich würde die Abgabe von fünf Euro pro Arztbesuch ein echtes Problem sein, da ich nur eine geringe Rente bekomme, aber keine Wahl habe, ob ich weniger zum Arzt gehen kann. (...) Da würde dann eine Summe zusammenkommen, die nicht mehr im Verhältnis zu meiner Rente steht.

Erna Schleicher (Erkrath): Da fasst man sich doch an den Kopf! (...) Wozu zahlen wir hohe Krankenkassenbeiträge? Dieselben Krankenkassen gaben den Überschuss mit zwei bis drei Millionen Euro an. Aber klar: Verwaltungsgebühren schlucken bis zu 27 Prozent des Volumens. Deshalb NEIN zur Praxisgebühr, ob zehn Euro oder fünf Euro: jeweils nein, nein, nein.

Herbert Eden (Bremerhaven): Unsere "volksnahe" Regierung findet immer neue Wege, uns Bürgern Geld abzuzwacken. Ich bin fast 80 Jahre alt und schwerstbehindert (100 GdB). Ich lebe nach dem Tod meiner Frau im Pflegeheim. (...) Ich muss mit ca. 90 Euro Taschengeld im Monat auskommen, wovon noch Arzt- und Arzneimittelkosten sowie Telefonkosten abgehen. (...) Mein Antrag auf Befreiung wurde schon zweimal von der hiesigen Krankenkasse abgelehnt.

Zur Ausgabe Februar 2012 der SoVD-Zeitung