Teilhabe trotz Behinderung

"Was man vor allem für den Beruf braucht, ist einen Sinn für Form und Farben", erklärt Charleen. Die 22-Jährige, die im Berufsbildungswerk Stendal (BBW Stendal) das zweite Lehrjahr zur Raumausstatterin absolviert, demonstriert zugleich ein imponierendes handwerkliches Geschick. Mit flinken Fingern befestigt sie blitzschnell mithilfe eines Spezial-Tackers eine Isolationshülle an einem Sessel, der zu einem späteren Zeitpunkt ein komplett neues Polster erhalten soll.

Die sensibel und gleichzeitig entschlossen wirkende junge Frau durchläuft bereits die zweite Ausbildung im BBW Stendal. Zuvor hat Charleen eine Ausbildung zur Polster- und Dekorationsnäherin abgeschlossen  ? als "bester Lehrling" des  Absolventenjahrgangs 2011. Wie nachhaltig dabei der im Berufsbildungswerk angewandte ganzheitliche Ansatz zum Tragen kommt, macht ihr Ausbilder Oswin Kausch deutlich: "Charleen weiß, dass sie allein durch die Nutzung der hier gegebenen Möglichkeiten so weit gekommen ist und hat die zusätzlichen Unterstützungsmöglichkeiten, die eine Einrichtung wie unsere bieten kann, voll ausgeschöpft."

Die Rehabilitationsarbeit im BBW Stendal ist auf einem humanistischen Bildungsverständnis begründet. Alles Handeln zielt auf die berufliche und soziale Integration junger behinderter Menschen ab ? basierend auf einer sinn- und werteprägenden Ausbildung und Erziehung. Zielgruppe der Einrichtung  sind Jugendliche und junge Erwachsene, die wegen Art und Schwere ihrer Behinderung besondere Leistungen zur beruflichen Qualifikation und sozialen Eingliederung benötigen. Dazu gehören medizinisch austherapierte psychisch behinderte und beeinträchtigte Jugendliche und junge Erwachsene sowie Jugendliche mit zum Teil erheblichen Verhaltensauffälligkeiten. Aber auch Jugendliche und junge Erwachsene, deren bisherige Entwicklung beeinträchtigt bzw. behindert war auf Grund medizinischer Ursachen und/oder in Folge von Gründen, die im sozialen Kontext liegen, können hier eine berufliche Erstausbildung unter speziellen Förderbedingungen erhalten. Dies gilt besonders für Hauptschüler ohne Abschluss und Abgänger aus Schulen für Lernbehinderte.

In der Einrichtung, eine von 52 anerkannten Berufsbildungswerken im Netzplan der Bundesregierung, arbeiten hochqualifizierte Ausbilder, Pädagogen, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, Psychologen und andere Fachkräfte, die über langjährige Erfahrungen in der beruflichen Rehabilitation verfügen. Engagiert begleiten die Teams die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ganztägig unter besonderer Beachtung deren individueller Besonderheiten. Die Integration in das Arbeitsleben wird im BBW individuell vorbereitet und durch in der Arbeitsvermittlung erfahrene Fachkräfte rechtzeitig und gezielt unterstützt. Auch eine fortführende Begleitung nach Ausbildungsende ist möglich.

In der Einrichtung, eine von 52 anerkannten Berufsbildungswerken im Netzplan der Bundesregierung, arbeiten hochqualifizierte Ausbilder, Pädagogen, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, Psychologen und andere Fachkräfte, die über langjährige Erfahrungen in der beruflichen Rehabilitation verfügen. Engagiert begleiten die Teams die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ganztägig unter besonderer Beachtung deren individueller Besonderheiten. Die Integration in das Arbeitsleben wird im BBW individuell vorbereitet und durch in der Arbeitsvermittlung erfahrene Fachkräfte rechtzeitig und gezielt unterstützt. Auch eine fortführende Begleitung nach Ausbildungsende ist möglich.

Was für die Zeit während und nach der Ausbildung gilt, gilt dabei ebenso für die Zeit vor Ausbildungsbeginn. Auch vorab wird durch entsprechende Praktika und verschiedene Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) dafür Sorge getragen, dass jeder Auszubildende nach Möglichkeit einen Beruf erlernen kann, der auch tatsächlich seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht. "Wir möchten jedem einzelnen Absolventen durch eine erfolgreiche Ausbildung die berufliche und soziale Integration in das Arbeitsleben ermöglichen", verdeutlicht Geschäftsführer Gunter Wittig die hohe Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insgesamt 281 Maßnahme- bzw. Ausbildungsplätze sowie ein Internat mit 262 Wohnplätzen kann das BBW Stendal für dieses Ziel bereitstellen.

Wie sehr sich die Auszubildenden trotz der besonderen Herausforderungen, vor die sie eine Berufsausbildung stellt, mit Ehrgeiz, Fleiß und Ausdauer ins Zeug legen, zeigen die jährlichen Abschlussquoten. Insbesondere das vergangene Absolventen- und gleichzeitig Jubiläumsjahr war für das BBW Stendal ein Jahr der Superlative: In 2011 gelang es 92 Prozent der Auszubildenden, ihre Abschlussprüfungen erfolgreich zu bestehen. Wegen ihrer hervorragenden Leistungen und Schulnoten wurden neben Charleen Grunzke drei weitere Absolventen aus dem Berufsbildungswerk für die Auszeichnung "Bester Lehrling" des Industrie- und Handelsclubs Altmark nominiert, darunter Alexander Trotzki (Autofachwerker), Patrick Gießmann (Holzbearbeiter) und Franziska Hoffmann (Tierpflegerin).

Um die Chancen der jungen Absolventen zu vergrößern, nach Abschluss in entsprechenden Arbeitsverhältnissen auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen, wird auch auf zusätzliche Fähigkeiten und Zertifikate gesetzt. So legt Karl-Friedrich Mewes, Ausbilder im Bereich Metall, Wert darauf, dass alle Auszubildenden in diesem Bereich, die hierfür die Qualifikation und den Willen mitbringen, die Zusatzausbildung zum WIG-Schweißer absolvieren können. "Wir versuchen, das anzubieten, was auf dem Markt gefragt ist. Metallarbeiter mit der Zusatz-Qualifikation zum WIG-Schweißer können in der Industrie richtig gutes Geld verdienen", weiß der erfahrene Ausbilder und freut sich in diesem Kontext über die Entwicklung zweier ehemaliger Absolventen, die in guten und langfristigen Jobs untergekommen sind, überdurchschnittliche Gehälter beziehen und inzwischen eine Familie gegründet haben.

Zur Ausgabe Januar 2012 der SoVD-Zeitung