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Frauen- und Familienpolitik - 25.05.2010

SoVD-Position zur Lohndifferenz

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Nach offiziellen Studien, so zum Beispiel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gemeinsam mit der Universität Konstanz, verdienen Frauen in der Europäischen Union weniger als ihre männlichen Kollegen. ? Im Durchschnitt sind es jüngsten Statistiken zufolge rund 17,4 Prozent. Dabei steht Deutschland im europäischen Vergleich mit an letzter Stelle. Denn hier beträgt der geschlechtsspezifische Lohnabstand sogar ganze 23 Prozent, so auch das Statistische Bundesamt Deutschland. Obwohl die Gleichberechtigung der Geschlechter auf allen Gebieten im Grundgesetz festgeschrieben worden ist, inzwischen mehr junge Frauen als Männer das Abitur bestehen, und die Frauen mehr und mehr qualifizierte Berufsausbildungen absolvieren, hat sich dieser Unterschied in der Entlohnung von Frauen und Männern in den letzten Jahren in Deutschland kaum verringert.

Die Ursachen

Was sind die Ursachen dieser ungerechten Verteilung von Geldern? Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass es immer noch sehr schwierig ist, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Und so sind es hauptsächlich die Frauen, die Teilzeit arbeiten oder lange berufliche Ausfallzeiten wegen der Kindererziehung in Kauf nehmen. So sind zwar 85 Prozent der Väter von kleinen Kindern unter drei Jahren erwerbstätig, bei den Müttern sind es lediglich 30 Prozent. ? Das ist sicherlich einer der Hauptgründe für die gravierenden Lohnunterschiede.

Ein weiterer wichtiger Grund ist der hohe Frauenanteil im Niedriglohnbereich. Auch die Vergütung der "traditionellen Frauenberufe" ist wesentlich geringer als die Entlohnung in den so genannten Männerberufen. Eine Erzieherin wird schlechter bezahlt als ein Fliesenleger, eine Altenpflegerin schlechter als ein Automechaniker. 

Aber sogar innerhalb der einzelnen Berufe verdienen Frauen weniger als Männer. Eine Untersuchung in Deutschland unter in Vollzeit beschäftigten Männern und Frauen ergab einen Entgeltunterschied von durchschnittlich 12 Prozent innerhalb der als "gleich" angesehenen Tätigkeiten Das ist ein Skandal!

Unsere Forderungen

Der SoVD fordert Politik,  Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, hier schnellstens Abhilfe zu schaffen und die Ursachen der Lohnlücke zu bekämpfen.

Zum einen muss die Zeit, die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder aufwenden, zwischen Müttern und Vätern gleich verteilt werden. Die Einführung der so genannten Vätermonate für den verlängerten Bezug von Elterngeld hat erheblich mit dazu beigetragen, dass Männer inzwischen häufiger bereit sind, die Betreuung ihrer Kleinkinder zu übernehmen. Wir sind der Auffassung, dass die Ausweitung dieser Partnermonate beim Elterngeldbezug einen wichtigen Schritt für eine geschlechtergerechte Verteilung der Kindererziehungszeiten auf beide Elternteile wäre. Auch der Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten wie Kitas, Hort, Tagesmütter etc. ist unerlässlich, um Eltern (und insbesondere den Müttern) die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern.

Die Arbeitgeber müssen ihre Lohnstrukturen überprüfen und Frauen gerechte Löhne zahlen. Dabei wäre die Einführung eines angemessenen gesetzlichen Mindestlohns ein wichtiger Schritt, um Frauen im Niedriglohnsektor besser zu bezahlen. Darüber hinaus halten wir ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft für notwendig, um Frauen einen Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu geben.

Der Aktionstag ? equal pay day

Am 26. März 2010 fand der so genannte equal pay day (mit der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit) statt. Das Datum ist nicht zufällig gewählt: Der 26. März markiert den Zeitpunkt, bis zu dem Frauen in Deutschland über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Vorjahresgehalt von Männern zu kommen.

Am 26. März demonstrierten auch viele SoVD-Frauen und -Männer  und machten auf die Ungerechtigkeit bei der Entlohnung aufmerksam. Unter anderem protestierten sie gemeinsam mit den Frauen von ver.di und dem Deutschen Frauenrat in Berlin an zentraler Stelle ? am Brandenburger Tor. Dort verteilten sie rote Taschen mit Informationen zur ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern. Die Roten Taschen symbolisieren die roten Zahlen in den Geldbörsen von Frauen.

Berlin, 25. Mai 2010

Abteilung Sozialpolitik
Referat Frauen

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