Sozialverband Deutschland e.V. > Informieren > Sozial-Infos > Rente - Die Nullrunde 2010


Rente - Die Nullrunde 2010

Die Nullrunde 2010 - Rentengarantie verhindert Minusanpassung bei den Renten

Nach den drei Nullrunden von 2004 bis 2006 gibt es auch im Jahr 2010 wieder eine Nullrunde bei den Renten. Ein wesentlicher Grund: die negative Lohnentwicklung. Nur die so genannte Rentengarantie verhindert, dass es bei den Renten eine Minusanpassung gibt.

Die Rentenanpassungen errechnen sich nach einer komplizierten Formel, die im Gesetz festgelegt ist und bei der jedes Jahr nur die aktuellen Werte eingefügt werden müssen (siehe auch Sozial-Info Die Rentenanpassungsformel). Die maßgeblichen Faktoren wirken in 2010 wie folgt:

  • Grundlage der Rentenanpassung ist die Bruttolohnentwicklung. Sie betrug 2009 -0,96 Prozent in den alten und +0,61 Prozent in den neuen Bundesländern.
  • Der Riester-Faktor, der in 2008 und 2009 ausgesetzt wurde und in diesem Jahr wieder einsetzt, wirkt sich mit einem Anpassungsminus von rund 0,64 Prozentpunkten aus.
  • Der Nachhaltigkeitsfaktor berücksichtigt das zahlenmäßige Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern. Wegen der krisenbedingt schlechten Arbeitsmarktlage führt er zu einem Anpassungsminus von ca. 0,51 Prozentpunkten.

Rechnet man diese Faktoren zusammen, dann würde sich eine "Rentenanpassung" von  2,10 Prozent in den alten und von -0,54 Prozent in den neuen Bundesländern ergeben. Eine Absenkung der Renten wird durch die Schutzklausel verhindert.

Die Schutzklausel besagt, dass die Kürzungsfaktoren nicht zu einer Minusanpassung bei den Renten führen dürfen. Im Jahr 2009 wurde die Schutzklausel erweitert ("Rentengarantie"): Auch ein Minus bei den Bruttolöhnen darf nicht zu einer Minusanpassung bei den Renten führten.

Der Haken dabei ist: Kürzungen, die wegen der Schutzklausel nicht realisiert wurden, sollen über den so genannten Ausgleichsfaktor ("Nachholfaktor") bei künftigen (positiven) Rentenanpassungen nachgeholt werden. Mit der Nullrunde 2010 erhöht sich der "Nachholbedarf" auf 3,81 Prozent in den alten und 1,8 Prozent in den neuen Bundesländern. 

Bewertung und Forderungen des SoVD

Die Rentengarantie verhindert, dass es wegen der negativen Lohnentwicklung eine Minusanpassung bei den Renten gibt. Das muss auch so sein, weil die negative Lohnentwicklung unter anderem auf statistische Sondereffekte im Zusammenhang mit der Kurzarbeit zurückzuführen ist. Rentnerinnen und Rentner dürfen nicht zu Verlierern der Finanz- und Wirtschaftskrise werden. Deshalb muss die Rentengarantie erhalten bleiben!

Trotz Rentengarantie ist die Nullrunde 2010 kein Grund zum Jubeln. Nach den drei Nullrunden von 2004 bis 2006 drohen den Rentnerinnen und Rentnern weitere massive Kaufkraftverluste. Inflation und Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung werden die Nullrunde für viele Rentnerinnen und Rentner zu einer Minusrunde machen.

Auch der Blick in die Zukunft ist düster. Denn für die kommenden Jahre müssen Rentnerinnen und Rentner mit weiteren Nullrunden rechnen. Der Grund: Die Kürzungsfaktoren, vor allem der Riester-Faktor, werden positive Lohnentwicklungen komplett aufzehren. Und sollte trotzdem etwas von der Lohnentwicklung übrig bleiben, werden Rentenanpassungen mit dem Nachholfaktor gekürzt.

Die Abwärtsspirale bei den Renten durch Nullrunden bzw. Minianpassungen, Inflation und steigende Beitragsbelastungen in der Krankenversicherung muss gestoppt werden. Um die Lohnbezogenheit der Renten wiederherzustellen müssen der Riester- und der Nachholfaktor abgeschafft werden.

Download des Dokuments als PDF-Datei [109 kB]