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Vorschläge zur Unterstützung pflegender Angehöriger

Einleitung

Der Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) betrachtet es als eine wichtige Aufgabe, die Situation von pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen grundlegend zu verbessern. Entscheidend ist, dass die Pflege den Menschen in den Mittelpunkt stellt, ihm ein würdevolles Dasein im Alter, bei Behinderung und Pflegebedürftigkeit sichert und seine Teilhabe am Leben der Gesellschaft ermöglicht. Dafür setzt sich der SoVD seit vielen Jahren ein.

Menschen mit Pflegebedarf wollen ? wie alle Menschen ? zu Hause und in privater Atmosphäre selbstbestimmt leben. Der SoVD fordert daher eine Trendwende in der Pflegepolitik mit einer klaren grundsätzlichen Entscheidung für eine qualitativ hoch-wertige Versorgung pflegebedürftiger Menschen im häuslichen Bereich und in Wah-rung der Privatheit und Intimsphäre. Die Gewährleistung der Menschenwürde gerade auch im Alter und bei Behinderung erfordert, dass Dienstleistungen zu den Men-schen gebracht werden und sich an deren Bedarf messen lassen.

Der SoVD unterstützt im Grundsatz und mit Nachdruck die Bundesinitiative DAHEIM STATT HEIM und setzt sich für den flächendeckenden Aus- und Aufbau individuell bedarfsdeckender vernetzter Unterstützungsangebote für ältere und behinderte Menschen ein.

In Deutschland werden bereits jetzt 70 Prozent ? 1,4 Millionen! - aller nach dem SGB XI anerkannten pflegebedürftigen Menschen zu Hause betreut, davon zwei Drittel durch Angehörige oder nahe stehende Personen. Aufgrund der demografischen Entwicklung (Rückgang der Geburtenzahlen, Anstieg der Lebenserwartung) und der gesellschaftlichen Veränderungen (veränderte Familien- und Haushaltsstrukturen) wird der Bedarf an häuslicher Pflege, die nach wie vor in der Regel dem Wunsch der meisten pflegebedürftigen Menschen entspricht, in Zukunft noch steigen. Für alle Beteiligten gelten damit hohe Anforderungen an die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen und Strukturen von Pflege.

Mit den Forderungen möchte der SoVD einen Beitrag zur Verbesserung der Situation der pflegebedürftigen und der pflegenden Menschen leisten. Zu Recht wird immer wieder gefordert, dass der pflegebedürftige Mensch im Mittelpunkt stehen muss. Allerdings werden die berechtigten Interessen der Pflegenden nicht ausreichend berücksichtigt. Pflegebedürftige Menschen haben ein Recht auf eine qualitativ hochwertige, an ihren individuellen Bedürfnissen ausgerichtete Pflege. Pflegende Angehörige haben ein Recht auf Rahmenbedingungen, die ihnen eine qualitativ hochwertige Pflege ermöglichen und die ihre eigenen Ressourcen soweit wie möglich schonen.

 

Zum Pflegenden wird man häufig über Nacht: Der Vater hat einen Schlaganfall, die Mutter ist gestürzt. Eine Vorbereitung, wie auf die Elternschaft, gibt es in vielen Fällen nicht. Wie lange die Pflegesituation dauert, ist auch oft ungewiss. Viele Pflegende übernehmen diese Aufgabe und können nicht abschätzen, ob die Kräfte reichen. Ein Fünftel der Angehörigen pflegt etwa zehn Jahre lang. 70 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen.

Viele pflegende Angehörige pflegen sehr lange, sie verausgaben sich, vereinsamen und laufen Gefahr, selbst krank zu werden. Untersuchungen belegen, dass pflegende Angehörige vielfach nicht in der Lage sind, Unterstützungsangebote wahrzunehmen, weil sie

  • nicht wissen, dass und wo es solche Angebote in ihrer Nähe gibt,
  • grundsätzliche Vorbehalte haben, Hilfe von außen, speziell von Institutionen, anzunehmen,
  • negative Erfahrungen gemacht haben, insofern ihr Einsatz als Pflegende nicht gewürdigt wurde,
  • nicht die richtige Ansprechperson gefunden haben,
  • keine Zeit und Kraft haben, Hilfe zu organisieren.

Die Nöte der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, finden in der Debatte um Pflege zu wenig Beachtung. Die psychische und physische Belastung ist enorm. Die erwachsen gewordenen Kinder müssen begreifen, dass ihre Eltern, die früher für sie gesorgt haben, der umfassenden Pflege und Betreuung bedürfen.

Pflegende Angehörige müssen entlastet werden, denn

  • Pflege bedeutet häufig Rufbereitschaft rund um die Uhr. Freie Zeit, eigene private Pläne und soziale Kontakte schwinden,
  • Tagesablauf, Ruhe und Schlaf sind fremdbestimmt. Nächtliche Störungen kommen hinzu,
  • schweres Heben, enge Räume, fehlende Hilfsmittel und ein Mangel an Fachkenntnissen belasten die Gesundheit,
  • räumliche Nähe, Abhängigkeit und eingefahrene Beziehungsmuster führen zu Aggressionen und Unzufriedenheit,
  • Entscheidungen, finanzielle Lasten, zusätzliche Hausarbeit und Arztbesuche machen Anspannung zum Dauerzustand,
  • Schwerstarbeit und fehlende Anerkennung schwächen den Körper bis hin zu ausgeprägten körperlichen und seelischen Erkrankungen.

 

Erste Vorschläge des SoVD zur Unterstützung pflegender Angehöriger

Der SoVD fordert aufgrund dieser Ausführungen, die Situation durch konkrete und gesetzliche Maßnahmen zu verbessern. Im Einzelnen sind nach Ansicht des SoVD folgende Maßnahmen erforderlich:

1. Bessere Anerkennung und Unterstützung pflegender Menschen

Die Pflegereform bringt für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen eine Reihe von Verbesserungen. Der SoVD begrüßt die Einführung einer Pflegezeit durch das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz, um die Leistung Pflegender anzuerkennen und die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege zu verbessern. Die Pflegezeit geht maßgeblich auf einen vom SoVD im Juni 2006 vorgelegten Gesetzentwurf zurück. Die Pflegezeit schafft für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erstmals die Möglichkeit, sich für die Pflege von Angehörigen bis zu sechs Monaten von der Arbeit freistellen zu lassen. Nach aktuellem Recht gilt die Pflegezeit nur in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten.

Auch die Inanspruchnahme der Tages- und Nachtpflege, die unter geringerer Anrechnung auf ambulante Sachleistungen und Pflegegeld in Anspruch genommen werden kann, wird Pflegende entlasten und unterstützen.

Der SoVD fordert eine bessere Anerkennung und gesellschaftliche Unterstützung pflegender Angehöriger. Eine qualitativ hochwertige, individuelle pflegerische Versorgung aller pflegebedürftigen Menschen zu Hause muss oberstes Ziel sein. Die Pflegezeit muss unabhängig von der Betriebsgröße gewährt werden.

2. Bedarfsgerechte Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen

Im häuslichen Bereich führen Betreuung und Versorgung eines pflegebedürftigen Angehörigen oftmals zu Krisensituationen in der Familie und zu Überforderungen der Pflegenden. Frühzeitige gezielte Hilfestellung und Pflegeberatung können Überforderungen und Belastungen auf Seiten der pflegenden Angehörigen entgegenwirken und kritische Pflegesituationen abwenden.

Seit der Einführung der Pflegereform werden pflegenden Angehörigen seitens der Pflegekassen unentgeltliche Pflegekurse angeboten. Diese Kurse müssen eine intensive Beratung in allen Fragen der Pflege sicherstellen mit dem Ziel, die körperlichen und seelischen Belastungen zu reduzieren (§ 45 SGB XI). Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass dieses Schulungsangebot oft nicht als bedarfsgerecht durch die Betroffenen empfunden wird.

Es ist positiv zu bewerten, dass mit der Pflegereform auch diejenigen Menschen eine Beratung erhalten, die noch keine Pflegestufe haben, deren Alltagskompetenz aber erheblich gemindert ist. So können auch Angehörige Demenzkranker eine für ihre Situation passende Beratung beanspruchen.

Der SoVD fordert, dass die Pflegekurse stärker als bisher auf die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen ausgerichtet sind. Die Pflegekurse sind z.B. in Wohnortnähe die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches der Pflegepersonen untereinander und der Beratung zu Hilfsmitteln und Rehabilitationsmaßnahmen anzubieten. Die Kurse sollen die Pflege und Betreuung nicht nur erleichtern, sondern auch verbessern. Die Pflegekassen haben verstärkt auch Einzelschulungen im häuslichen Umfeld des Pflegebedürftigen durchführen.

3. Unabhängige und umfassende Pflegeberatung

Ab 1. Januar 2009 haben pflegebedürftige Menschen einen Rechtsanspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung bei einem Pflegeberater oder einer Pflegeberaterin ihrer Pflegekasse. Die Pflegeberater/-innen müssen den Bedarf analysieren und einen individuellen Versorgungsplan mit allen erforderlichen Leistungen erstellen und darauf hinwirken, dass diese Leistungen auch beim jeweiligen Leistungsträger beantragt und genehmigt werden.

Mit dieser Regelung soll der bisherigen Praxis entgegengewirkt werden, nach der die Pflegekassen ihre umfassende Beratungspflicht nicht in dem Umfang angeboten haben, wie sie den Bedürfnissen pflegebedürftiger Menschen und ihrer Pflegenden entspricht. Problematisch bleibt aber weiterhin, dass die Pflegeberater/-innen Angestellte der Pflegekassen sind. Eine objektive Beratung, die unabhängig von Kostenerwägungen ist, erscheint damit nicht ausreichend gesichert.

Nach wie vor erhebt der SoVD Bedenken dagegen, dass die Entscheidung über die Einrichtung von Pflegestützpunkten in die Zuständigkeit der Länder fällt. Der SoVD befürchtet einen Flickenteppich an unterschiedlichen Regelungen, der für die Betroffenen nicht transparent und unzureichend sein wird.

Der SoVD fordert eine kostenträger- und leistungserbringerunabhängige Pflegeberatung, die die individuelle Bedarfssituation des Menschen mit Pflegebedarf und die Situation der Pflegenden berücksichtigt und qualifizierte Informationen über vorhandene Angebote, Ansprüche und Leistungen machen kann. Nur eine solche unabhängige Beratung, die auch bei den Kommunen angesiedelt sein kann, bietet die notwendige Objektivität bei der Beurteilung unabhängig von finanziellen Erwägungen.

 

4. Regelmäßige Rehabilitations- und Präventionsmaßnahmen

Pflege ist nicht nur zeitlich sehr aufwändig, sondern häufig auch körperlich und seelisch anstrengende Arbeit. Viele Pflegende arbeiten am Rande der Erschöpfung, müssen Belastungen in Familie und Beruf verarbeiten und haben kaum mehr Zeit für sich und eigene soziale Kontakte. Diese Situation führt häufig dazu, dass immer mehr Pflegende selbst erkranken und Hilfe brauchen.

Der SoVD fordert, bei längerer Dauer und intensiver Pflege, den Pflegenden einen regelmäßigen Anspruch auf präventive Gesundheitsmaßnahmen und medizinische Rehabilitationsmaßnahmen und soweit notwendig, psychosoziale Betreuung zu gewähren, um Krisensituationen und eigene Erkrankungen zu vermeiden.

5. Flächendeckende und zügige Verbesserung niedrigschwelliger Unterstützungsangebote

Pflegende Angehörige und nahe stehende Personen haben häufig das Gefühl, mit ihren Problemen allein gelassen zu werden. Teilweise erfordert die Pflege die ständige Anwesenheit beim Pflegebedürftigen, für die Familie, Bekannte und Freunde/-innen oftmals wenig Verständnis haben. Hinzu kommt, dass die Abhängigkeit des Pflegebedürftigen von der Pflegeperson oder familiäre Spannungen in der Pflege dazu führen können, dass der Mensch mit Pflegebedarf und der Pflegende immer wieder Konfliktsituationen erleben.

Der SoVD fordert eine flächendeckende umfangreiche und zügige Umsetzung niedrigschwelliger Unterstützungsangebote für Pflegende, um vor Überforderung, Vereinsamung und Isolation zu schützen. Dazu gehören zum Beispiel die Einrichtung von Pflegenotruftelefonen, Beratungsstellen und Gesprächskreisen.

6. Verbesserung der Alterssicherung

Nach § 44 SGB XI übernehmen die Pflegekassen die Rentenversicherungsbeiträge für Pflegepersonen, die mindestens 14 Stunden in der Woche pflegen. Die Höhe der Beiträge bestimmt sich derzeit nach der jeweiligen Pflegestufe und dem Zeitaufwand.

Der SoVD fordert die Berücksichtigung von Rentenversicherungsbeiträgen auch für den Personenkreis von Pflegenden, die Pflegebedürftige mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf versorgen. Hierbei hat sich die Höhe der Beiträge ausschließlich am Zeitaufwand der Pflege und Betreuung entsprechend den geltenden Zeitkorridoren zu orientieren.

Die bereits bestehenden rentenrechtlichen Regelungen müssen für Pflegepersonen weiter verbessert werden. Die für sie entrichteten Rentenversicherungsbeiträge müssen deutlich angehoben werden, damit pflegebedingte Berufsunterbrechungen langfristig nicht zu einem Risikofaktor für Armut im Alter werden. Hierzu müssen die Rentenversicherungsbeiträge bei Pflege in der Pflegestufe III auf 100 Prozent, bei Pflegestufe II auf 80 Prozent und bei Pflegestufe I auf 60 Prozent der monatlichen Bezugsgröße erhöht werden.

7. Weitere Erhöhung des Pflegegeldes

Der SoVD begrüßt grundsätzlich die Anhebung des Pflegegeldes, stellt allerdings fest, dass angesichts der seit 13 Jahren unveränderten Leistungshöhe diese Anhebung unzureichend ist. Sie kompensiert die mangelnde Dynamisierung und die Preisentwicklung der vergangenen Jahre nur in geringem Maße. Das Pflegegeld steigt prozentual im Vergleich zu den ambulanten und stationären Leistungssätzen am geringsten. Daher muss die Dynamisierung der Leistungen bereits vor dem Jahr 2012 erfolgen.

Der SoVD fordert daher, das Pflegegeld zur Stärkung der häuslichen Pflege weiter zu erhöhen. Die Höhe der Pflegeleistungen muss ab sofort jährlich an die allgemeine Preisentwicklung und nicht wie vorgesehen in einem Drei-Jahres-Rhythmus angepasst werden.

8. Integrierte Pflege auch zum Nutzen für pflegende Angehörige

Der SoVD setzt sich für eine qualitativ hochwertige häusliche Pflege ein, die präventiv wirkt und leistungsträgerübergreifend ausgerichtet ist. Diese erfordert ein vernetztes Handeln aller am Pflegeprozess beteiligten Akteurinnen und Akteure. Hierbei steht nicht nur der pflegebedürftige Mensch im Mittelpunkt der Bemühungen, sondern professionelles Handeln muss ganzheitlich auch die Situation der Pflegenden berücksichtigen.

Der SoVD fordert, dass alle am Pflegeprozess beteiligten Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Fachkräfte die besondere Situation der pflegenden Angehörigen berücksichtigen und Hilfe und Beratung anbieten.

9. Minderjährige Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige schützen und unterstützen

Kinder und Jugendliche sind eine in Deutschland bislang kaum beachtete Gruppe pflegender Angehöriger. Britischen Studien zufolge gibt es in Großbritannien zurzeit ca. 175.000 pflegende Kinder (entspricht einer Prävalenz von 1,5 Prozent). Falls diese Daten auf Deutschland übertragbar sind, würden hierzulande über 225 000 Kinder als pflegende Angehörige zu bezeichnen sein. Allerdings ist weder bekannt, wie viele Kinder überhaupt mit chronisch erkrankten Eltern zusammenleben noch wie viele davon pflegen.

Anders als Erwachsene, die sich bewusst für die Pflege eines erkrankten oder pflegebedürftigen Angehörigen entscheiden, haben Kinder diese Wahlfreiheit in der Regel nicht. Sie müssen sich den Erfordernissen stellen und können die Situation oftmals nicht ausreichend reflektieren. Die Pflege kann gerade für Kinder zu Überforderung und sozialer Isolierung führen. Pflegende Kinder laufen zudem Gefahr, durch ihren Einsatz in ihrer persönlichen Entfaltung und in ihrer schulischen Entwicklung in erheblicher Weise beeinträchtigt zu werden.

Der SoVD fordert, Kinder und Jugendliche vor Überlastungen durch häusliche Pflegetätigkeit zu schützen. Derzeit gibt es keine dem Bedarf und den Bedürfnissen entsprechenden spezifischen Hilfs- und Beratungsangebote. Gesundheits- und Sozialdienste sind aufgefordert, umfassend Hilfe und Beratung in der Familie zu gewährleisten. Kinder wie Eltern wünschen sich vor allem emotionale Entlastung und Gesprächsangebote sowie unbürokratische und flexible Alltagshilfen.

10. Pflegeforschung muss die Situation der Pflegenden einbeziehen

In der (häuslichen) Pflege müssen stets die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und medizinischen sowie pflegerischen Standards beachtet werden. Der SoVD befürwortet den Ausbau einer multidisziplinären wissenschaftlichen Pflegeforschung und unterstützt die Durchführung von Modellprojekten. Dies gilt z.B. für die aktuelle Erarbeitung eines Konzepts für ein Unterstützungsangebot für pflegende Kinder und Jugendliche durch das Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke. Das Konzept wird durch das BMBF gefördert.

Der SoVD fordert, dass auch die besondere Situation pflegender Angehöriger Gegenstand der medizinischen und pflegerischen Forschung sein muss. Diese Forschung muss insbesondere darauf abzielen, den Bedarf an sozialer und medizinischer Infrastruktur zur Gestaltung einer qualitativ hochwertigen häuslichen Pflege festzustellen und zu beschreiben.

 

Anhang

Tipps für pflegende Angehörige

  • Informieren Sie sich umfassend über den Gesundheitszustand und die vorhandenen Fähigkeiten des Pflegebedürftigen.
  • Beziehen Sie sowohl den Pflegebedürftigen als auch Ihre Familie in alle Entscheidungen mit ein.
  • Fördern Sie die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen so weit wie möglich.
  • Passen Sie die Wohnung nach Möglichkeit an die Pflegesituation an.
  • Informieren Sie sich auch über mögliche Hilfsmittel, die dem Pflegebedürftigen eine größere Selbstständigkeit geben bzw. Ihnen die Arbeiten (z. B. Heben) erleichtern.
  • Sie müssen nicht jede Arbeit selbst erledigen. Nehmen Sie Hilfe von anderen Menschen an und/oder arbeiten Sie mit professionellen Institutionen zusammen. Pflege ist harte Arbeit ? Sie brauchen sich für die Inanspruchnahme von Hilfen nicht zu schämen!
  • Planen Sie Entlastungen von der Pflege und Freizeit bewusst ein und verzichten Sie nicht darauf.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit der Pflegevertretung bzw. Ersatzpflege, um selbst Urlaub von der Pflege zu machen.
  • Informieren Sie sich über Rechtsansprüche (z. B. Pflegezeit, kurzzeitige Arbeitsverhinderung, Tages- und Kurzzeitpflege) und finanzielle Unterstützungen (z. B. Pflegegeld).
  • Nutzen Sie Informationsveranstaltungen und Schulungen zur Pflege zu Hause. Sie erhalten fachliche, praktische und emotionale Unterstützung.
  • Suchen Sie Austausch in Angehörigengesprächsgruppen und Selbsthilfe-gruppen.
  • Bedenken Sie, dass die Pflege Ihres Angehörigen nur ein Teil Ihres Lebens ausmacht und pflegen Sie auch weiterhin Ihre Freundschaften und Hobbys.