26.02.2008 - H.G.

Ostdeutsche Kriegsgefangene müssen zügig entschädigt werden

Leserbrief H.G.

Sehr geehrter Herr Baars,

ich möchte mich zunächst für Ihr Schreiben vom 12.2.2008 bedanken, in dem Sie meinen Einwand, unser Sozialverband hätte verzögert über die Thematik "Entschädigung Kriegsheimkehrer Ost" berichtet, richtig stellen und auf die Bemühungen des Verbandes, den Kriegsheimkehrern Ost eine (wenn auch aus unserer Sicht geringe) Entschädigung noch in diesem Jahr 2008 zu zah-len, aufmerksam machten.

 

Es tut mir Leid, Ihnen aus Unkenntnis ? zum Zeitpunkt des Erscheinens der betreffenden Information in der Dezember-Ausgabe habe ich wegen einer mich belastenden Erkrankung unsere Verbandszeitung nicht gelesen ? einen nicht berechtigten Vorwurf gemacht zu haben. Inzwischen konnte ich mich (nachträglich) über die anerkennenswerten Bemühungen unseres Sozialverbandes, die vorzuziehende Auszahlung der uns zugedachten Entschädigung betreffend, informieren und möchte mich deshalb für Ihre diesbezügliche Protesthaltung bedanken.

 

Wenn inzwischen bei uns übrig gebliebenen Heimkehrern Ost ein wenig Freude aufkam, auf über diese Jahrzehnte hindurch verschleppte "Entschädigung", so fielen jetzt Wermutstropfen in den Freudenbecher. Warum?

 

Ich erhielt nach der Bitte um Übersendung eines für die Auszahlung der Entschädigung notwendigen Antragsformulars vom Bundesverwaltungsamt Köln ein Schreiben, dessen Inhalt mich sehr enttäuschte und dessen Wortlaut ich Ihnen zur Kenntnisnahme beilege. Ich frage mich, warum ein Gesetz nach Jahren der Auseinandersetzung im Bundestag und nach einem gefundenen Kompromiss, der offensichtlich auch durch unseren Sozialverband initiiert wurde, zwar am 1.1.2008 in Kraft getreten ist, das Inkrafttreten der Regelungen zur Heimkehrerentschädigung aber erst für den 1.1.2009 vorgesehen ist.

 

Mir scheint, dass ein in unserer Tageszeitung zitierter ehemaliger Heimkehrer Ost recht hat, wenn er sagt: "Mein Eindruck ist der, je länger die Zahlung hinausgeschoben wird, umso weniger Anträge werden gestellt werden können, sind doch alle, die noch einen Antrag stellen können, jetzt schon mindestens 80 Jahre alt."

 

Was mag ich empfinden, wenn mir jetzt, in meinem letzten Lebensabschnitt, diese geringe Entschädigungssumme noch vorenthalten wird, nachdem ich bis zum 13.12.1949 als blutjunger Mann in polnischen Gruben Zwangsarbeit leisten musste?

 

Es würde mich freuen, wenn unser Sozialverband noch einmal, in vielleicht noch verstärktem Maße, für uns eintreten würde.

 

Mit freundlichen Grüßen

H.G.