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Gutachten Einsamkeit

SoVD stellt Gutachten zur Einsamkeit vor

In Zeiten der Corona-Pandemie wird klar, wie hart uns Kontaktbeschränkungen als soziale Wesen treffen. Social distancing und (wiederkehrende) Lockdowns werden uns weiterhin begleiten. Viele Menschen kämpfen daher mit
Einsamkeitsgefühlen, die sich bis hin zu Depressionen steigern können. Zugleich erweisen sich viele Nachbarschaften und informelle Netzwerke als stark und intakt: Ältere werden mitversorgt, der Kontakt zu den Enkelinnen und Enkeln ist digital via Skype oder WhatsApp plötzlich so eng wie vielleicht noch nie.

Auch wenn jede und jeder betroffen sein kann, so lassen sich gleichwohl besonders vulnerable Gruppen identifizieren: Armutsbetroffene, darunter Niedrigeinkommensbeziehende und Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderung sowie Hochbetagte und Pflegebedürftige in Einrichtungen. Diese sozialen Benachteiligungen treten häufig gemeinsam auf und verschärfen zugleich soziale Isolation und Exklusion der Betroffenen.

Die Vorstellung des Gutachtens im Stream (SoVD Facebook)

Das Gutachten herunterladen (PDF)

Zur Pressemitteilung

Statements zum Gutachten

SoVD-Vizepräsidentin Prof. Ursula Engelen-Kefer ordnet die Untersuchungsergebnisse in einem Statement ein. Darin heißt es unter anderem: "Wie ein Brennglas hat die Corona-Pandemie langjährige Fehlentwicklungen unserer sozialen Sicherungssysteme offengelegt. Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, Pflegebedürftige, Arbeitslose und Armutsbetroffene, darunter viele Alleinerziehende hatten und haben das Gefühl sozial ausgegrenzt und mit Ihren Sorgen und Nöten allein zu sein."

Das komplette Statement als PDF

Prof. Claudia Neu, Autorin des Gutachtens, und Leiterin des Fachgebiets Soziologie ländlicher Raume der Universitäten Göttingen und Kassel hat ebenfalls ein Statement verfasst, das Kerngedanken des Gutachtens zusammenfasst.

Das Statement als PDF

Die Erkenntnisse im Überblick

Allgemeines

  • 4 bis 9,5 Millionen Menschen sind in Deutschland fast immer oder immer einsam
  • Junge Erwachsene, Menschen im mittleren und im hohen Alter sind verstärkt von Einsamkeit betroffen
  • Je abgelegener eine Region, desto höher das Einsamkeitsrisiko

Einsamkeitsgefühle während Corona

  • Während der Corona-Pandemie haben Einsamkeitsgefühle im Vergleich zu 2017 erheblich zugenommen
  • 48 Prozent der Deutschen fühlten sich während des ersten Lockdowns zumindest gelegentlich einsam
  • Junge Erwachsene (unter 30-Jährige), Kinder und Alleinerziehende sind während der Corona-Pandemie überdurchschnittlich häufig von Einsamkeitsgefühlen geplagt
  • Über die Hälfte der Stadtbewohner*innen klagt über Einsamkeit. Bei Bewohner*innen ländlicher Räume sind es nur 41 Prozent

Betroffene

  • Armutsbetroffene, darunter Niedrigeinkommensbeziehende, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderungen

Faktoren, die zur Einsamkeit beitragen

  • Armut macht einsam und grenzt aus
  • Pflegebedürftige und chronisch Kranke haben ein größeres Risiko, einsam oder sozial exkludiert zu sein
  • Menschen mit Behinderung haben geringere gesellschaftliche Teilhabechancen. Dies führt zu Isolation und Exklusion
  • Mobilitätseinschränkungen, nicht barrierefreier Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und ÖPNV reduzieren die Teilhabechancen

Hintergrundinformationen

  • Die Armutsrisikoquote lag im Jahr 2019 bei 15 Prozent
  • Von sozialer Ausgrenzung sind in Deutschland 17 Prozent der Bevölkerung bedroht
  • 48 Prozent der Deutschen glauben, dass sich die sozialen Unterschiede durch Corona vergrößern werden

Zum Faktenblatt (PDF)

Was hilft gegen Einsamkeit?

Einsamkeit ist von sozialen und wirtschaftlichen Faktoren abhängig. Der SoVD hat in seinem Gutachten Faktoren identifiziert, die Einsamkeitsgefühle beeinflussen. Für eine inklusive, solidarische Gesellschaft, die niemanden zurücklässt, erneuert der SoVD daher seine Forderungen für eine umfassende Stärkung des deutschen Sozialstaats:

  • Daseinsvorsorge stärken
  • Armut bekämpfen
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende verbessern
  • Kinder und Jugendliche besonders unterstützen
  • Prävention und Rehabilitation ausbauen
  • Digitalisierung vorantreiben

Zum kompletten Forderungspapier (PDF)

Gemeinsam statt einsam mit dem SoVD

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) ist eine starke Gemeinschaft, die sich auch zu Corona-Zeiten gegenseitig unterstützt.

Zum Tag des Ehrenamts veröffentlichte der Verband die neue Broschüre "Hand in Hand". Mit vielen verschiedenen Ideen zeigt der SoVD, wie Sie anderen Menschen im Alltag ganz praktisch unterstützend zur Seite stehen können.

Aktuell macht der SoVD in seiner Kampagne "Mit Dir. Für alle. Gegen soziale Kälte" auf die Gefahr einer wachsenden Spaltung der Gesellschaft aufmerksam. 

Politisch setzt sich der Verband auf vielen Ebenen für seine Mitglieder und deren Interessen ein. Die aktuellen Forderungen versammelt der SoVD in seinem sozialpolitischen Programm. 

Die Dateien öffnen sich durch einen Klick auf das Bild. 


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