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Deutscher Mindestlohn niedriger als in Nachbarländern

Deutschland ist die größte Wirtschaftsmacht der Europäischen Union. Dennoch ist der Mindestlohn geringer als in anderen Staaten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. 

Der momentane Mindestlohn liegt in Deutschland bei 9,35 Euro. Damit ist er niedriger als beispielsweise in Frankreich, den Niederlanden und Belgien, wo Untergrenzen von mehr als zehn Euro gelten. 

Das geht aus dem aktuellen Mindestlohnreport des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Im EU-weiten Vergleich – inklusive Großbritannien – ist Deutschland damit auf dem 7. Platz. Den höchsten Mindestlohn gibt es mit 12,38 Euro pro Stunde in Luxemburg. 

Wird 2020 zum "Jahr des Mindestlohns"?

Dabei wurden die Mindestlöhne in einigen Ländern zuletzt deutlich erhöht und dieser Trend könnte sich verfestigen. „2020 könnte in Europa das Jahr des Mindestlohns werden“, schreiben die WSI-Tarifexperten Prof. Dr. Thorsten Schulten und Dr. Malte Lübker.

Das begründen sie unter anderem damit, dass auch die EU-Kommission eine Position zum Mindestlohn erarbeitet hat. Demnach sollten Mindestlöhne bei 60 Prozent des landesweiten Durchschnittsverdienstes liegen. Momentan wird dieses Ziel nur von Frankreich und Portugal erreicht. In Deutschland liegt dieser Wert bei gerade einmal 46 Prozent und war zuletzt sogar rückläufig. 

Mindestlohnkommission entscheidet über Untergrenze ab 2021

Nicht nur deshalb wird gespannt erwartet, wie die deutsche Mindestlohnkommission entscheidet, die im Januar zusammenkam und im Juni die Höhe des Mindestlohns ab 2021 verkündet. Denn auch in der Politik werden die Stimmen lauter, die eine deutliche Anhebung fordern. Dabei steht immer wieder die Marke von 12 Euro im Raum. 

Der SoVD hat sich für die Einführung Mindestlohn stark gemacht und fordert eine spürbare Erhöhung, um ihn armutsfest zu machen. Nach Berechnungen des Verbandes sollte er bei mindestens 11,60 Euro liegen, um nach 45 Beitragsjahren eine Alterssicherung auf dem Niveau der Grundsicherung zu gewährleisten.