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Corona-Warn-App veröffentlicht

Lange war sie angekündigt, seit gestern ist es so weit: Die Corona-Warn-App der Bundesregierung ist erschienen. Die Anwendung ist ein Baustein in der Pandemiebekämpfung und kann dazu beitragen, Infektionen schneller zu erkennen.

Schon etwa zwei Millionen Menschen haben die App in den ersten 24 Stunden installiert, die Bewertungen der Nutzer*innen sind dabei bisher vor allem positiv. Die Installation ist freiwillig.

Wie funktioniert die App?

Die App läuft auf dem Gerät im Hintergrund und sendet Bluetooth-Signale an die Umgebung. Andere Handys in der Nähe, auf denen die Anwendung installiert ist, tun das ebenfalls. Dies läuft verschlüsselt und ohne Austausch weiterer Angaben wie Ort oder Person ab. Die Geräte, auf denen die Corona-Warn-App installiert ist, speichern den Kontakt.

Aktiv werden müssen User erst im Fall einer COVID-19-Infektion: Dann können sie nach einer Verifizierung der Infektion entscheiden, ob sie die Besitzer aller Handys mit der App, die sich in der Umgebung des eigenen Gerätes befunden haben, darüber informieren wollen.

Die Besitzer dieser Handys werden dann unter Umständen gewarnt, dass sie Kontakt mit einer SARS-CoV-2-positiven Person hatten. Sie erfahren aber nicht, wer dieser Kontakt war und wo das Aufeinandertreffen stattgefunden hat. Umgekehrt erhalten die User eine Warnung, wenn sie mit einem oder einer Infizierten in Kontakt standen.

Was bringt die App?

Die App funktioniert also nicht als Live-Warnsystem, sondern kann Erkrankte schneller auf eine mögliche Infektion hinweisen. Die App erfasst zwar den Kontakt, aber nicht die Umgebung. Es kann deshalb zu möglichen Fehlalarmen kommen, wenn zwar Austausch bestand, durch beispielsweise Masken oder Scheiben aber ausreichend Schutz vorhanden war.

Durch die App erfahren Erkrankte möglicherweise schneller von einer Infektion. Wenn die Anwendung große Verbreitung findet, kann das die Gefahr einer zweiten Ansteckungswelle reduzieren.

Technische Fragen

Die App ist nur für Geräte mit iOS- (Apple) und Android-Systemen (Google) verfügbar. Damit ist aber auch der allergrößte Teil des Marktes abgedeckt. Der Download und Installation sind kostenfrei, mit nur 16 MB Speicherplatzverbrauch ist die App zudem sehr sparsam.

Da es für den Betrieb der Anwendung nötig ist, die Bluetooth-Verbindung und den Standort zu aktivieren, kann sich der Akkuverbrauch durch die App-Nutzung leicht erhöhen.

Datenschutz

Die App operiert mit sensiblen Informationen, der Datenschutz ist deshalb von großer Bedeutung. Durch die dezentrale Speicherung und der Veröffentlichung des Quellcodes ist für Anonymität und Transparenz gesorgt. Auch kritische Beobachter wie der Chaos Computer Club halten die App für sicher.

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hält die App für datenschutzkonform. Kritik übt die Behörde jedoch an der Übertragung der Bestätigung einer Corona-Infektion. Derzeit würden offenbar nur zehn Prozent der Testergebnisse datenschutzfreundlich digital übertragen. Der große Rest müsse über eine Telefon-Hotline gehen. "Diese Hotline sehen wir als eine Schwächung des ansonsten gut durchdachten Prinzips der Pseudonymitätswahrung an", sagte Kelber. Das Verfahren könne auch ein Einfallstor für falsche Daten sein, mit dem dann Fehlalarme ausgelöst werden. "Deswegen drängen wir als Aufsichtsbehörde darauf, die Notwendigkeit dieser Hotline so schnell es geht auf Null zu setzen.“

Zugleich warnte er Arbeitgeber oder beispielsweise Restaurantbesitzer davor, die Installation der App für Beschäftige oder Kunden verpflichten zu machen. Dies sei datenschutzrechtlich nicht haltbar und werde von den Datenschutzbeauftragten der Länder verfolgt.

Wer kann die App nicht benutzen?

Ausgeschlossen sind alle, die gar kein Smartphone haben oder Geräte mit einem anderen Betriebssystem wie Blackberry oder Windows Phones. Deren Marktanteil ist aber verschwindend gering.

Doch auch wer mit Apple oder Android unterwegs, kann vor Problemen stehen. Denn hier gibt es technische Voraussetzungen, die ältere Geräte nicht immer erfüllen. Schwierig wird es bei Smartphones, die älter als fünf Jahre sind. Das ist ein Nachteil für ältere Personen oder Menschen mit niedrigem Einkommen, die technischen Trends nicht folgen können oder wollen. Sie sind davon ausgeschlossen, die digitalen Hilfsmittel der Pandemiebekämpfung zu nutzen.