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E-Roller sorgen in Städten für Aufregung

Am 15. Juni hat das Verkehrsministerium E-Roller für den Straßenverkehr zugelassen. Vor allem in Großstädten ist seitdem ein Boom um die kleinen Gefährte ausgebrochen. Schnell gab es Warnungen vor einer neuen Gefahr für Fußgänger. Eine erste Bilanz zeigt: Sie waren wohl berechtigt. 

In Berlin und anderen deutschen Großstädten wie Frankfurt oder Hamburg gehören sie mittlerweile zum Straßenbild. Die bunten Elektroroller der verschiedenen Anbieter stehen im Stadtzentrum an jeder Ecke. Der Beitrag zur Mobilitätswende, den das Verkehrsministerium bei der Zulassung beschwor, dürfte dabei sehr gering ausfallen. 

In der Hauptstadt nutzen die Roller vor allem Touristen, die darin einen bequemen Weg sehen, die Stadt zu erkunden. 

Oft scheinen ihnen dabei die Nutzungsbestimmungen jedoch nicht klar zu sein. So sind die Gefährte in Deutschland – nach dem Protest von Landespolitikern – nur auf dem Radweg oder der Straße erlaubt. Dennoch sind oft auf dem Fußweg unterwegs; gerne auch mit zwei Personen an Bord, was in Deutschland ebenfalls nicht gestattet ist. 

Gefahren für Menschen mit Behinderungen

Diese neue Form der Fortbewegung sorgt für viele Konflikte. Gerade Menschen mit Behinderungen gehören dabei zu den Leidtragenden, sei es durch sich lautlos nähernde oder achtlos auf dem Weg abgestellte Fahrzeuge. „Wir sind strikt gegen E-Tretroller. Die Zulassung kam übereilt und viel zu schnell“, sagt der Vorsitzende des Berliner Behindertenverbands, Dominik Peter. „Die E-Tretroller können eine echte Stolperfalle sein“, ergänzt Stephan Heinke, Leiter des Gemeinsamen Fachausschusses Umwelt- und Verkehr beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.

Sieben Wochen nach der Zulassung gab auch die Berliner Polizei erste Zahlen bekannt. Demnach gab es in der Hauptstadt bisher 38 Unfälle mit E-Rollern, in 34 Fällen galten die Rollerfahrer als Unfallverursacher. Die Unfälle führten zu sieben Schwer- und 27 Leichtverletzten. 

SoVD für Warngeräusche bei Elektrofahrzeugen

Auch der SoVD hat vor den Gefahren von Elektrofahrzeugen gewarnt, und damit nicht nur die neuen Roller angesprochen. Gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband fordert der SoVD die Einführung von Warngeräuschen in Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Denn gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten bewegen sich diese Fahrzeuge fast lautlos und stellen damit eine Gefahrenquelle für Fußgänger dar. 

Die Politik denkt mittlerweile über Maßnahmen nach, um einen sichereren Umgang mit den E-Rollern zu erreichen. Dazu gehören unter anderem Fahrsicherheitstrainings und ein deutlicherer Hinweis auf das Gehwegverbot durch die Anbieter. 

Ob sich die Situation dadurch verbessert, wird sich zeigen. Strafen und technische Mittel allein können nicht die Lösung sein. Oft ist eine andere Sache, an der es im Straßenverkehr und im öffentlichen Raum mangelt: gegenseitige Rücksichtnahme.