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Wohnraum muss bezahlbar sein

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In vielen Städten zum traurigen Alltagsbild geworden: Menschen, die keine Wohnung haben. Foto: Svyatoslav Lypynskyy / fotolia

Immer mehr Menschen in Deutschland haben keine Wohnung. Die Zahl der Wohnungslosen ist im vergangenen Jahr rasant gestiegen. So waren 2016 etwa 860?000 Menschen ohne feste Bleibe, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) jetzt mitteilte. Im Vergleich zu 2014 habe sich ihre Zahl um 150 Prozent erhöht. Als wohnungslos gilt, wer keine dauerhafte Wohnstätte hat und zum Beispiel in vorübergehenden Unterkünften lebt. Jeder zehnte Wohnungslose hat gar kein Dach über dem Kopf und lebt auf der Straße. Der Wohnungslosenverband macht in erster Linie die "Privatisierungswut der öffentlichen Hand" für die vor allem in Großstädten immer sichtbarer werdende Zuspitzung verantwortlich. Zudem kritisiert er mangelnde Strategien zur Armutsbekämpfung. Auch der SoVD, der seit Langem vor der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft und wachsender Armut warnt, sieht darin seine Befürchtungen bestätigt.

Laut BAG W handelt es sich bei einem hohen Teil der Wohnungslosen um anerkannte Flüchtlinge, die in Übergangsheimen leben. Sie werden im aktuellen Berichtszeitraum erstmals aufgeführt - ein Mitgrund für den starken Anstieg. Aber auch ohne die Berücksichtigung der Schutzsuchenden ist die Zahl der Wohnungslosen seit 2014 binnen zweier Jahre von 335 000 auf 420 000 um ein Viertel gestiegen.

Massiv gestiegene Mieten - Mangel an Sozialwohnungen

Ohnehin wirkt sich die Zuwanderung aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft zwar verstärkend auf die Probleme des Wohnungsmarktes aus; sie ist jedoch nicht ursächlich dafür. Vielmehr sieht die BAG W den Hauptgrund für das Ausufern der Obdachlosigkeit in den massiv gestiegenen Mieten der letzten Jahre, die mit einem gravierenden Mangel an sozialem Wohnungsbau einhergehen.

Dass immer mehr Menschen wohnungslos sind, liege insofern primär am unzureichenden Angebot an bezahlbarem Wohnraum und Sozialwohnungen. Zudem hätten Kommunen, Bundesländer und der Bund eigene Wohnungsbestände an private Investoren verkauft und damit wichtige Reserven aus der Hand gegeben, so die Feststellung.

Detaillierte Angaben kann die BAG W für die Gruppe der 420 000 (nicht geflüchteten) Menschen ohne Heimstätte machen. Denn nur für diese liegen soziodemografische Daten vor.

Straßenobdachlosigkeit ist ebenfalls gewachsen

Die meisten von ihnen leben demnach in Sammelunterkünften, ein knappes Drittel davon mit Partner oder Familie. Besonders erschreckend: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, deren Eltern keine Wohnung haben, schätzt der Verband bereits auf rund 32 000. Ohne jedes Obdach lebten nach der Statistik der Arbeitsgemeinschaft 2016 rund 52 000 Menschen; 2014 hatte ihre Zahl noch bei rund 39 000 gelegen - ein Drittel weniger. Die Straßenobdachlosigkeit wird vermehrt von Migranten aus EU-Ländern mitgeprägt, was für die Wohnungslosigkeit im Allgemeinen nicht gilt.

Bund, Länder und Kommunen sind gefragt

Für die kommenden Jahre erwartet die BAG W eine weitere Verschärfung: Von 2017 bis 2018 rechnet die Arbeitsgemeinschaft mit einem Zuwachs von weiteren rund 350 000 Wohnungslosen; insgesamt läge ihre Zahl dann bei etwa 1,2 Millionen.

Die Lebenslagen verarmter und wohnungsloser Menschen müssen endlich zur Kenntnis genommen werden, fordern deshalb die Arbeitsgemeinschaft und Sozialverbände. Massive Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen seien notwendig, um entgegenzuwirken.

Auch der SoVD warnt seit Langem vor der wachsenden Armut inmitten einer wohlhabenden Gesellschaft. Der Verband beklagt mit Nachdruck die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich und hat längst wirksame Konzepte zur Armutsbekämpfung vorgelegt. Die nun veröffentlichten Zahlen sind in den Augen des SoVD ein klares Indiz, dass immer mehr Menschen ihre Mietzahlungen nicht mehr stemmen können.

Günstige Wohnungen sind kaum noch zu finden

Alarmierend ist in diesem Kontext ein aktuelles Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Dieses gestattet den Jobcentern, Miet- und Heizzahlungen auf einen Betrag zu begrenzen, der für vergleichbare Wohnungen im unteren Preissegment üblich ist. Geklagt hatte eine Frau, die seit Jahren Grundsicherung bezieht. Das Jobcenter hatte die Miet- und Heizkosten für ihre 77 Quadratmeter große Wohnung zunächst ganz, später nur noch teilweise übernommen. Die Frau klagte auf vollständige Kostenübernahme und scheiterte nun damit.

Gerade Langzeitarbeitslose und Empfänger von Grundsicherung können so schnell in einen Teufelskreis geraten: Denn wer in einer "zu großen" Wohnung wohnt, findet angesichts der prekären Lage auf dem Wohnungsmarkt noch längst keine günstigere. Obdachlosigkeit kann schlimmstenfalls die Folge sein.

Bezahlbaren Wohraum für sozial Benachteiligte schaffen

Der SoVD hat die Themen sozialer Wohnungsbau, bezahlbarer Wohnraum, barrierefreies Wohnen sowie Wohnen im Alter auf der Agenda und wird sich mit entsprechenden Forderungen in die Politik einbringen. Zudem tritt der SoVD für eine Neuermittlung der Hartz-IV-Regelsätze ein, die sich an den realen Lebenssituationen von Leistungsempfängern orientiert.

Zur Ausgabe Dezember 2017 der SoVD-Zeitung




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