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SoVD ist kompetenter Mitstreiter

Hier die Beschreibung des Bildes

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (im Bild mit SoVD-Präsident Adolf Bauer) hielt die Festrede zum 100-jährigen Jubiläum. Darin würdigte sie das unermüdliche soziale Engagement des Verbandes. Foto: Wolfgang Borrs

Ein großer Festakt in Berlin bildete den Auftakt zu den Feierlichkeiten und Aktionen, mit welchen der Sozialverband Deutschland (SoVD) in den nächsten Wochen und Monaten bundesweit sein 100-jähriges Gründungsjubiläum begeht. Rund 350 Gäste folgten der Einladung des SoVD-Bundesverbandes in die Französische Friedrichstadtkirche – sich der historischen Bedeutung des Augenblicks bewusst: Auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 23. Mai 1917, waren nicht einmal drei Kilometer entfernt, in der Kreuzberger Lindenstraße 114, die SoVD-Gründungsväter zusammengekommen, um den „Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten“ ins Leben zu rufen. Höhepunkt der Veranstaltung zur Würdigung der Verbandsgründung, die gleichzeitig auf den Tag des Grundgesetzes fiel, waren Besuch und Festrede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

„Es gibt eine Verbindung zwischen Artikel 1 des Grundgesetzes: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ und dem Wirken des SoVD. Es ist genau dieses Wissen um die Verletzlichkeit der menschlichen Würde, auf dem die Arbeit des Sozialverbandes beruht und welches das Gerechtigkeitsgefühl immer wieder herausfordert“, stellte die Bundeskanzlerin zu Beginn ihrer Festrede fest, in der sie den Verband als „kompetenten Mitstreiter“ in der Politik würdigte.

Wissen um Verletzlichkeit der menschlichen Würde

Der Verband lebe soziale Verantwortung und zeichne sich durch unermüdliches Engagement für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit aus, betonte die Kanzlerin. Den Versehrten zu helfen, „allen Schwierigkeiten zum Trotz ein Leben in Würde führen zu können“, sei sowohl ein zutiefst menschliches Anliegen als auch Inspiration zur Verbandsgründung gewesen.

Die Bundeskanzlerin griff eine breite Palette an Themen auf, darunter die Europapolitik, Rente, Pflege, den sozialen Wohnungsbau, die sozialen Sicherungssysteme und das Thema Integration von Flüchtenden. Ein besonderes Augenmerk richtete Merkel auf die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik. In seinen Gründungsjahren sei es ein Kernanliegen des Verbandes gewesen, dass Arbeitsplätze für Kriegsversehrte entstanden, so die Kanzlerin. „Damals wie heute ermöglicht Arbeit, den Lebensunterhalt eigenständig zu finanzieren. Aber Arbeit wirkt zusätzlich sinn- und identitätsstiftend.“

Antworten finden für die, die es schwer haben

Gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen seien deshalb auch sozialpolitisch von großer Bedeutung – und steigende Beschäftigungszahlen und Reallöhne darum genauso gut wie der deutliche Abbau der Arbeitslosigkeit. Auch künftig müssten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt Ziel der Politik bleiben. „Wir müssen Antworten finden auch für diejenigen, die es trotz Wohlstandsgesellschaft schwer haben, Arbeit zu finden.“ Das A und O sei Bildung, unterstrich Merkel. Diese fange in den Kitas an, führe über die Kindergärten, die Schulen, das duale Ausbildungssystem und die Hochschulen bis hin zur Fort- und Weiterbildung und münde im lebenslangen Lernen. Hier müsse es eine hohe Durchlässigkeit geben, unterstrich die Kanzlerin. „Jeder soll seine Chance bekommen – und nicht nur einmal im Laufe seines gesamten Bildungsweges.“

Weg von der Fürsorge hin zu mehr Teilhabe

Als ein gemeinsames Anliegen benannte Merkel auch das Thema Inklusion. „Menschen mit Behinderung sollen ihr Leben, so gut es geht, selbst in die Hand nehmen können und in allen Lebensbereichen teilhaben“, sagte Merkel. Ein großer Schritt sei das Bundesteilhabegesetz mit dem Systemwechsel weg von der Fürsorge hin zu mehr Teilhabe. Es sei ihr bewusst, dass es hierzu kritische Diskussionen gebe, so die Bundeskanzlerin.

Als Erfolge der in dieser Legislaturperiode geleisteten Arbeit nannte die Kanzlerin das Budget für Arbeit und Verbesserungen bei der Einkommens- und Vermögensunabhängigkeit in der Eingliederungshilfe. Dabei räumte sie ein, dass man trotz Verbesserungen aus Gründen der Finanzierbarkeit „nicht alles erreicht“ habe: „Der SoVD hat sich an einigen Stellen mehr erhofft.“

Merkel hob hervor: „Soziale Verantwortung lässt sich nicht verordnen, sie setzt Engagement voraus. Sie leben dieses Engagement und richten den Blick gezielt auf Menschen, die Hilfe brauchen!“ Für die Zukunft wünsche sie sich mit dem SoVD auch weiterhin „einen Partner, der sich mit Herz und Verstand für die sozialen Belange einsetze“, schloss die Kanzlerin ihre Rede und sagte dem Verband ein offenes Ohr seitens der Bundesregierung zu.

Dank an die Bundeskanzlerin für die Ehre der Festrede

SoVD-Präsident Adolf Bauer bedankte sich für die Ehre, das Jubiläum mit der Bundeskanzlerin als Festrednerin begehen zu dürfen. „Wir wissen, dass Politik nicht immer frei von Zwängen agieren kann. Mitunter erscheinen die Forderungen der Sozialverbände parteipolitisch schwer durchsetzbar und finanziell herausfordernd. Der SoVD möchte aber nicht nur Probleme benennen, sondern auch konkrete Lösungen anbieten. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass alle Menschen in unserem Land gleiche Chancen auf ein erfülltes Leben in sozialer Sicherheit haben!“

Der SoVD-Präsident dankte der Bundeskanzlerin auch für die anerkennenden Worte sowie für die bisherigen Gelegenheiten zu Dialog und sozialpolitischem Austausch.

SoVD-Forderungen für sozial Benachteiligte weiter aktuell

„Auch wenn sich das Gründungsprogramm unseres Verbandes auf die dramatischen Umstände der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges bezog, die Forderungen zur besseren Versorgung sozial Benachteiligter erscheinen heute aktueller denn je“, hatte der SoVD-Präsident zuvor in seinem eigenen Redebeitrag zu Beginn der feierlichen Veranstaltung festgestellt.

Grundwerte von Frieden, Freiheit und Demokratie

„Die Grundwerte von Frieden, Freiheit und Demokratie bestimmen von Anfang an das Handeln unseres Verbandes. Dieser Tradition verpflichtet streiten wir - damals wie heute - für einen Rechtsstaat, der soziale Gerechtigkeit garantiert und Inklusion als Leitprinzip verfolgt.“

Die Entwicklung der deutschen Geschichte spiegele sich unmittelbar auch in der Geschichte des SoVD wider, so Bauer. Umbrüche, Auflösung und Wiederaufbau hätten den Verband geprägt. Bereits in Zeiten der Weimarer Republik habe der Reichsbund maßgeblich an der Erarbeitung einiger wichtiger Gesetze mitgewirkt, die immer noch prägend für den modernen Sozialstaat seien. So basiere etwa auf der Verordnung über die Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge aus dem Jahr 1919 unsere heutige moderne Sozialhilfe.

SoVD als Eckpfeiler deutscher Sozialgeschichte

Auch andere Reformvorschläge zur Sozialhilfe, zur gesetzlichen Kranken-, Renten- oder zur Pflegeversicherung prägten die Arbeit des SoVD, der berechtigter Weise als ein Eckpfeiler der deutschen Sozialgeschichte bezeichnet werden könne, bis in die Gegenwart.

Wegen seiner parteipolitischen Neutralität und des Bekenntnisses zur Demokratie habe der Reichsbund Ende der 20er-Jahre unter zunehmendem Druck gestanden. Um einer Gleichschaltung zu entgehen, habe man sich bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten für die Selbstauflösung zum 31. Mai 1933 entschieden, blickte Bauer auch auf die Tiefen der Verbandsgeschichte zurück. Doch habe bereits kurz nach Kriegsende, am 29. November 1946 in Hamburg, die Neugründung des Verbandes unter dem Namen „Reichsbund der Körperbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen“ erfolgen können.

Mit der Wiedervereinigung sei auch in den ostdeutschen Bundesländern der Reichsbund neu begründet worden, skizzierte Bauer ein weiteres Kapitel der SoVD-Historie. Schließlich habe 1999 die Umbenennung des „Sozialverband Reichsbund“ in den modernen Namen „Sozialverband Deutschland“, kurz SoVD, stattgefunden.

SoVD-Tochtergesellschaften bieten direkte Hilfestellung

Der SoVD-Präsident würdigte auch die Tochtergesellschaften, mit denen der Verband im Laufe seiner Geschichte sein Engagement durch direkte Hilfestellung erweitert hat: die beiden Berufsbildungswerke in Bremen und Stendal, die SoVD-Lebenshilfe, die Meravis mit Sitz in Hannover und Hamburg und das Hotel Mondial in Berlin.

„'Wir setzen uns für Sie ein!' – Dieses Leitbild leben wir in einem Zusammenspiel aus sozialrechtlicher Beratung, sozialpolitischer Lobbyarbeit und Geselligkeit“, spannte Bauer den Bogen in die Gegenwart. Gerade mit Blick auf die Bundestagswahl im September vertrete der Verband seine Positionen mit großem Nachdruck. Als Herausforderungen nannte Bauer unter anderem die Themen demografischer Wandel, Rente, Pflege und Gesundheit, Langzeitarbeitslosigkeit, Inklusion, Integration Geflüchteter sowie Arm und Reich.

SoVD-Präsident fordert mehr Vermögensausgleich

Der SoVD-Präsident forderte in diesem Kontext mehr Ausgleich bei den Vermögen in Deutschland. „10 Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen 60 Prozent des Nettohaushaltsvermögens“, machte er deutlich. „In fast keinem anderen Land mit ähnlichem Wohlstandsniveau ist die Vermögensungleichheit so groß wie in Deutschland.“ Schleichende Privatisierung müsse zurückgedrängt werden – etwa bei der Rente. Zudem drängte Bauer erneut auf eine Generalrevision von Hartz-IV.

Auch das Thema „Frauen und Arbeit“ griff Bauer auf: „Das Thema begleitet den SoVD bereits seit seiner Gründungszeit. Forderte damals der Reichsbund noch etwas kryptisch, den ‚herrschenden Geschlechterrollen emanzipatorische Ansätze gegenüberzustellen‘, so geht es heute um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer, das Thema gerechte Entlohnung und die Existenzsicherung für Alleinerziehende.“

Präsident dankte Mitgliedern für ihr großes Engagement

Der SoVD-Präsident dankte abschließend den über 560?000 Mitgliedern in zwölf Landesverbänden. „Unsere starke Gemeinschaft ist vor allem der engagierten Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort zu verdanken. Sie sind das Fundament unseres Verbandes!“

Im Anschluss an die Rede des SoVD-Präsidenten kam die eigens für das große Jubiläum komponierte SoVD-Hymne unter der Leitung des Komponisten Uwe Oberthür zur Uraufführung.

„Ihr Verband stand wirklich immer auf der guten Seite“

„Ihr Verband hat nicht nur die deutsche Sozialgesetzgebung maßgeblich beeinflusst. Er stand in den 100 Jahren seiner Existenz immer, wirklich immer, auf der guten, der lichten Seite unserer Geschichte. Dafür und für vieles andere darf man ihm und darf man Ihnen allen herzlich gratulieren“, stellte der Historiker Prof. Dr. Guido Knopp wenig später am Rednerpult fest. Der namhafte Fernsehjournalist und Publizist war eingeladen, beim Festakt in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt über die 100-jährige Geschichte des SoVD zu sprechen.

Die historischen Erfahrungen seit 1917 – zwei Weltkriege, Unterdrückung und die NS-Diktatur – hätten gezeigt, dass soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden einander bedingten, so Knopp. Daher setze sich der Sozialverband SoVD seit 100 Jahren erfolgreich zugunsten sozial Benachteiligter für diese Werte ein. Auch verkörpere der SoVD „100 Jahre deutsche Geschichte, die es in sich haben“.

Die Gründung am 23. Mai 1917 sei „insbesondere Sozialdemokraten“ zu verdanken gewesen – allen voran Erich Kuttner. Dieser war 1915 in Verdun selbst schwer verwundet worden. Seine eigenen Kriegserfahrungen werden bei der Gründung des „Bundes der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten“ eine Rolle gespielt haben. „Es gereicht dem SoVD zur Ehre, einen solchen Mann als Gründervater zu haben“, lobte Guido Knopp, dessen ausführlicher und lebendiger Vortrag viel Beachtung fand.

Anziehungskraft des SoVD lebt vom Engagement

Die Schlussworte des Festaktes sprachen die Vizepräsidentin Renate Falk (Landesverband NRW) und der Vizepräsident Wolfgang Schneider (Landesverband Schleswig-Holstein). Sie gaben den Anwesenden erneut einen Ausblick auf kommende sozialpolitische Entwicklungen und verbandspolitische Herausforderungen.

„Die Sozialgesetzgebung ist so sehr im Wandel wie nie zuvor. Themen wie Rente, Pflege, soziale Sicherung, Gesundheit oder Menschen mit Behinderungen bestimmen unsere Arbeit. Unsere fachpolitischen Kompetenzen sorgen dafür, dass immer mehr Menschen beim SoVD Rat und Unterstützung suchen“, sagte Falk.

Schneider dankte abermals allen im SoVD ehrenamtlich aktiven Mitgliedern. „Unsere Anziehungskraft ist von Ihrem Engagement abhängig. Wir brauchen Ihre Ideen, Ihren Enthusiasmus und Ihre Leidenschaft. Zusammen wollen wir die Zukunft des SoVD gestalten!“ Für die im gesamten Bundesgebiet beginnenden Festveranstaltungen und Aktionen wünschte er gutes Gelingen. Dabei würdigte Schneider insbesondere die historische Wanderausstellung des SoVD-Landesverbandes Niedersachsen. Auch lud der Vizepräsident zum großen Familien- und Bürgerfest vom 30. September bis zum 1. Oktober nach Berlin ein. Nach dem musikalischen Abschluss durch die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland empfing der SoVD-Bundesverband die Gäste anschließend im Restaurant der Friedrichstadtkirche.

Reden und Fotos im Internet und in der SoVD-App

Der Jubiläumsfestakt des SoVD fand ein enormes Medienecho mit über 100 Meldungen und Berichten. Zudem veröffentlichten die Bundesregierung sowie die CDU und die SPD Berichte in den Social Media. Alle Redebeiträge können unter diesem Link nachgelesen werden. Weitere Fotos zum Festakt finden Sie im SoVD-Magazin (als App kostenlos im Appstore oder bei Google Play erhältlich).

Zur Ausgabe 2017 der SoVD-Zeitung




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