Sie befinden sich hier: Sozialverband Deutschland e.V. > Informieren > SoVD-Zeitung > Neues aus der SoVD-Zeitung > Armut beginnt im Bildungsalter


SoVD - Sozialverband Deutschland e.V. - Startseite

Armut beginnt im Bildungsalter

Hier die Beschreibung des Bildes

SoVD-Präsident Adolf Bauer (Foto oben) und Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek sprachen zum Thema „Verhinderung von Altersarmut“. Fotos: Wolfgang Borrs

Wie lässt sich Altersarmut verhindern und wirksam bekämpfen? Und wie kann es gelingen, ausreichende Alterseinkünfte für die heutige und für kommende Generationen auf gerechte Weise zu sichern? Die Fragen, die der Sozialverband Deutschland (SoVD) in den Mittelpunkt des diesjährigen Parlamentarischen Abends stellte, sind drängend: Immer mehr Menschen drohen im Alter zu verarmen oder sind bereits auf Grundsicherungsleistungen angewiesen – und dies in einem als reich geltenden Land wie Deutschland. Knapp 200 Gäste, darunter zahlreiche Bundestagsabgeordnete, Vertreter und Vertreterinnen befreundeter Verbände, Organisationen und Institutionen waren der Einladung in die Räume der Parlamentarischen Gesellschaft gefolgt, um gemeinsam sozialpolitische Handlungsstrategien zu diskutieren. Dabei stand die bundesweite SoVD-Kampagne „Lieber nicht arm dran“ im Zentrum des Interesses.

„Mit unserer ‚Kampagne zur Bekämpfung von Altersarmut‘ greifen wir eine Thematik auf, die uns alle unmittelbar betrifft“, stellte SoVD-Präsident Adolf Bauer fest, nachdem er die anwesenden Gäste begrüßt hatte. „Wir beobachten seit zehn Jahren mit großer Sorge, dass die Altersarmut weiter zunimmt. In den kommenden Jahren droht ein dramatischer Anstieg.“

Weitere Absenkung des Rentenniveaus stoppen

Betroffen seien davon in überdurchschnittlichem Maße Frauen, Menschen im Niedriglohnsektor, Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung, führte Bauer aus.

Als wesentliche Ursachen benannte der SoVD-Präsident die Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse sowie eine weitere Absenkung des Rentenniveaus und damit verbunden die Abkopplung der Renten von der gesamtgesellschaftlichen Wohlstandsentwicklung. „Wenn wir bedenken, dass viele Beschäftigte trotz eines erfüllten Arbeitslebens und langjähriger Beitragszahlungen befürchten müssen, dass ihre Rente nicht zum Leben reicht, dann wird der dringende Handlungsbedarf deutlich.“

SoVD fordert klare Kurskorrektur der Politik

Erst vor wenigen Monaten hat der SoVD im Rahmen einer Pressekonferenz ein Konzept zur Verhinderung von Armut im Alter einer breiten Öffentlichkeit präsentiert (wir berichteten in der September-Ausgabe). In dem Positionspapier fordert der SoVD eine klare Kurskorrektur der Politik. Wichtig ist es dem Verband dabei vor allem, Ängsten entgegenzuwirken, tragfähige Strategien aufzuzeigen und adäquate Lösungen für Jung und Alt herbeizuführen. „Altersarmut fängt jung an. Es macht keinen Sinn, den Generationenvertrag infrage zu stellen. Es geht darum, die Rente für die Zukunft armutsfest und solidarisch zu gestalten“, hob Bauer hervor.

Der SoVD-Präsident betonte, dass eine wirksame Strategie sowohl das Rentenrecht als auch die Arbeitsmarktpolitik einbeziehen müsse. „Wir benötigen dringend eine Wiederherstellung des arbeits- und sozialrechtlichen Schutzes der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Nur durch verbesserte Beitragszahlungen in der Erwerbsphase können auch Ansprüche für später erworben werden.“

Bauer unterstrich erneut die Forderungen des Verbandes zur Sicherung einer zukunftsfesten Rente. Dazu gehören die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung, die auch Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einbezieht, ebenso wie der Abbau prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Insbesondere Frauen drohen aufgrund befristeter Verträge, Leiharbeit, Mini-Jobs oder Solo-Selbstständigkeit im Alter zu verarmen.

Deutlicher Sprung beim Mindestlohn unerlässlich

Als weitere Maßnahmen drängt der SoVD auf einen deutlichen Sprung nach oben beim gesetzlichen Mindestlohn. Unerlässlich ist aus SoVD-Sicht darüber hinaus die Absicherung in Zeiten der Arbeitslosigkeit durch die Wiedereinführung der Beitragspflicht für Hartz-IV-Empfänger.

Da die genannten Maßnahmen allein künftigen Generationen helfen, fordert der Verband zudem mit Nachdruck und seit Jahren die Abschaffung der Kürzungsfaktoren in der Rentenanpassungsformel sowie gestaffelte Freibeträge in der Grundsicherung.

Bundesteilhabegesetz verfehlt sein Ziel

Bauer warf in seinen Ausführungen auch einen Blick auf das geplante Bundesteilhabegesetz. „Das Thema hat uns in den vergangenen Wochen stark beschäftigt, weil Menschen mit Behinderung in besonderer Weise von sozialer Ausgrenzung und Armut betroffen sind.“ Der aktuelle Gesetzentwurf verfehle jedoch das Ziel, die Selbstbestimmung behinderter Menschen deutlich zu stärken. Zu befürchten seien vielmehr deutliche Leistungseinschränkungen, so z.?B. an der Schnittstelle von Eingliederungshilfe und Pflege. Auch lehne der SoVD die geplanten Regelungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sowie zur Einkommens- und Vermögensheranziehung ab.

Mit Beifall pflichteten die Anwesenden dem inhaltlichen Exkurs bei.

Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung stärken

Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), der der Einladung des Verbandes als Hauptredner gefolgt war, betonte in seinem Beitrag, dass man im Ministerium darum wisse, wie viele Menschen sich Sorgen machten, im Alter nicht ausreichend gesichert zu sein. Dabei bezog sich der Staatssekretär u.?a. auf Umfragen von ARD-DeutschlandTrend.

Wie zuvor SoVD-Präsident Bauer verwies auch Dr. Kleindiek auf den Dialog, den das BMAS derzeit zum Thema „Alterssicherung“ führe und an dem auch der SoVD beteiligt sei. Man werde Lösungsvorschläge erarbeiten, versprach der Staatssekretär und stellte fest: „Um das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken, ist es wichtig, die Lasten gleichmäßig zu verteilen.“

Strategien gegen Altersarmut beginnen im Bildungsalter

Dr. Kleindiek hob in seinen Ausführungen auch andere Säulen der Alterssicherung hervor, wie die Betriebsrente, die private Vorsorge, Alterseinkünfte von Partnern sowie Mieteinnahmen und andere Kapitaleinkünfte.

Einigkeit bestand in Bezug auf die Einschätzung, dass Strategien gegen Altersarmut im Bildungsalter begännen, in der Erwerbsphase weitergeführt werden müssten und im Rentenalter mündeten. „Prävention erfordert Maßnahmen in allen Generationen.“

Der Staatssekretär zollte dem SoVD großen Respekt für seinen Einsatz für benachteiligte Menschen und dankte dem Verband für die gute Zusammenarbeit mit dem BMFSFJ und anderen Ministerien. Er sei vor wenigen Tagen dem Verband beigetreten, so Dr. Kleindiek, und folge damit der Tradition seiner Großmutter, die als Kriegswitwe dem Reichsbund angehört habe.

Zusammenarbeit von hohem fachlichen Anspruch

Der SoVD-Präsident dankte abschließend Dr. Kleindiek und den anwesenden politischen Partnern für ihr Vertrauen und die von hohem fachlichen Anspruch geprägte konstruktive Zusammenarbeit. Nach den beiden Redebeiträgen nutzten die Anwesenden noch lange die Gelegenheit zum intensiven politischen Austausch.

Zur Ausgabe Oktober 2016 der SoVD-Zeitung




>> Zum Seitenanfang