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Jung und Alt gegen Altersarmut

Hier die Beschreibung des Bildes

Bis auf den letzten Platz belegt war das Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin bei der Präsentation der SoVD-Rentenkampagne 'Lieber nicht arm dran'. Foto: Laurin Schmid

Mit einer bundesweit angelegten Rentenkampagne zur Bekämpfung von Altersarmut macht der Sozialverband Deutschland (SoVD) mobil. „Gegen Altersarmut gibt es Lösungen, die bei den Ursachen ansetzen und das Rentensystem respektieren“, erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer am 23. August im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz in Berlin. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Sozialpolitischen Ausschusses im SoVD-Bundesverband, Klaus Michaelis, stellte der SoVD-Präsident den zahlreich anwesenden Journalisten ein umfangreiches Positionspapier zur Sicherung einer armutsfesten, solidarischen und generationengerechten Rente vor.

„Die Altersarmut steigt. Das spüren wir im Verband, und das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes“, stellte Adolf Bauer zu Beginn fest. „560 000 Mitglieder gehören dem SoVD heute an. Ein großer Teil der Mitglieder, die in unseren Beratungsstellen Rat und Hilfe suchen, sind ältere Menschen, die kurz vor der Rente stehen. Wir beobachten diesen Trend mit großer Sorge.“

Aus Sicht des SoVD haben sowohl der Abbau staatlicher Regelungen auf dem Arbeitsmarkt als auch einschneidende Reformen in der Rentenpolitik die Ausbreitung von Altersarmut befördert. Beide Entwicklungen werden sich auch in Zukunft auswirken.

Frauen tragen ein hohes Risiko, im Alter zu verarmen

Der SoVD-Präsident machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass die einschneidenden Veränderungen in der Arbeitswelt nicht erst mit den sogenannten Hartz-IV-Reformen begonnen hätten. „Bereits seit Anfang der 1990er-Jahre haben wir es mit zunehmender Arbeitslosigkeit, einer Ausweitung des Niedriglohnsektors und prekärer Beschäftigung zu tun“, erklärte Bauer. Als Negativbeispiele nannte er Minijobs, Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge.

Ein besonders hohes Risiko, im Alter zu verarmen, tragen nach Einschätzung des SoVD Frauen, Menschen mit Behinderung, Langzeitarbeitslose sowie Solo-Selbstständige. „Insbesondere die Erwerbsbiografien von Frauen weisen oft Lücken auf“, stellte Bauer fest. „Frauen übernehmen immer noch den Großteil der Familienarbeit – neben der Erziehungsarbeit zunehmend auch die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger.“

Erwerbsgeminderte und Behinderte häufig betroffen

Gleichzeitig arbeiteten Frauen häufig in schlechter bezahlten Jobs und müssten selbst bei gleicher Qualifikation im Vergleich zu Männern Gehaltseinbußen hinnehmen.Auch Erwerbsgeminderte und Menschen mit Behinderung sind in besonderes hohem Maße gefährdert, im Alter arm zu sein. Ursache sind häufig Beitragsausfälle, die es schwer machen, berufliche Möglichkeiten zu verbessern. Die dritte Risikogruppe sind langzeitarbeitslose Menschen. Oft verfestigt sich bei ihnen die anfängliche Abwesenheit vom Arbeitsmarkt zu einem Dauerzustand, aus dem ein Ausbrechen nur noch sehr schwer gelingt.

Auch Solo-Selbstständige gegen Altersarmut sichern

Neue Herausforderungen bringt die Gruppe der sogenannten Solo-Selbstständigen mit sich. Neben den klassischen Selbstständigen, die mit niedrigen Beitragszahlungen ebenfalls zu den Risikogruppen gehören, arbeiten Solo-Selbstständige oft nur mit Kleinstaufträgen. Schwer wiegt darüber hinaus, dass sie durch keinerlei gesetzliche Rentenversicherung geschützt sind. Aus Sicht des Verbandes repräsentiert diese Gruppe den Wandel auf dem Arbeitsmarkt und die damit einhergehenden Gefahren geradezu exemplarisch.

Mit drei Grundpositionen vertritt der SoVD demzufolge die Interessen heutiger und künftiger Rentner gegenüber der Politik. An erster Stelle steht der Ausbau von Beitragszahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung in der Erwerbsphase. Stichpunktartig benannte der SoVD-Rentenexperte, Klaus Michaelis, die Einschränkung prekärer Beschäftigung und die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung als Maßnahmen. Michaelis forderte zudem eine deutliche Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes sowie die Absicherung in Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit durch sachgerechte Beiträge.

Drei Hauptforderungen für eine zukunftssichere Rente

An zweiter Stelle der SoVD-Forderungen stehen ergänzende Regelungen im Rentenrecht. Diese sollen dazu dienen, der Gefahr von Altersarmut für Menschen zu begegnen, die sich bereits im Rentenalter befinden. Auch rentennahe Jahrgänge sollen dadurch mehr Schutz erfahren. „Wir sind für eine Aufwertung von in der Vergangenheit zurückgelegte Zeiten der Niedriglohnbeschäftigung oder der Langzeitarbeitslosigkeit“, sagte Michaelis.

Zu den SoVD-Forderungen gehören an dritter Stelle Verbesserungen für die Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner. „Für diese Personengruppe ist das Risiko von Altersarmut weiterhin hoch, obwohl die vorzeitige Inanspruchnahme der Rente aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht freiwillig erfolgt.“ Der SoVD fordere daher mit Nachdruck, die systemwidrigen Abschläge bei den Erwerbsminderungsrenten abzuschaffen.

Generationen nicht gegeneinander ausspielen

Der SoVD-Präsident warnte abschließend davor, die Generationen gegeneinander auszuspielen. „Diese Ängste werden von bestimmten Kreisen gerne für ihre Interessen instrumentalisiert. Unsere Botschaft ist klar: Altersarmut betrifft Jung und Alt – und nur gemeinsam können wir sie bekämpfen.“

Im Nachgang zur Pressekonferenz stand der SoVD-Präsident zahlreichen Journalisten in Exklusivbeiträgen Rede und Antwort.

Info

Mit seiner Rentenkampagne wird der SoVD in den kommenden Wochen verstärkt Flagge zeigen. Dabei sollen die Mitglieder einbezogen werden – ob in Veranstaltungen vor Ort, in den Wahlkreisen der Bundestagsabgeordneten oder mit Online-Aktionen in den Social Media und öffentlichen Foren.Weitere Informationen auch unter: sovd.de/arm-im-alter

Zur Ausgabe 2016 der SoVD-Zeitung




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