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Raus aus der Teilzeitfalle!

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Großkundgebung vor dem Brandenburger Tor – auch in den SoVD-Landesverbänden fanden unter dem Motto: Frauen haben ein 'Recht auf Mehr!' bundesweit über 100 Protestveranstaltungen statt. Foto: Wolfgang Borrs

Immer noch erhalten Frauen hierzulande durchschnittlich 21 Prozent weniger Lohn als Männer. Mit dieser Lohnlücke, die sich hartnäckig hält, belegt Deutschland den drittletzten Platz im europäischen Vergleich. Noch drastischer ist die Situation mit Blick auf die Bezüge im Rentenalter: Hier beträgt die Einkommensdifferenz bis zu 60 Prozent. Der Sozialverband Deutschland (SoVD), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Deutsche Frauenrat haben deshalb Politik und Wirtschaft erneut zu mehr Lohngerechtigkeit aufgefordert. Im Rahmen einer gemeinsam organisierten Großkundgebung vor dem Brandenburger Tor sprachen sich auch Politikerinnen der im Bundestag vertretenen Parteien am Equal Pay Day (Tag der Entgeltgleichheit) für mehr Lohngerechtigkeit aus.

„Wir müssen davon ausgehen, dass künftig 41 Prozent der westdeutschen und 21 Prozent der ostdeutschen Frauen zwischen 45 und 50 Jahren eine Rente unterhalb der Grundsicherung zu erwarten haben“, benannte SoVD-Präsidiumsmitglied und Bundesfrauensprecherin Edda Schliepack am Rednerpult alarmierende Fakten. „Warum sind Frauen arm? Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger, haben öfter Lücken im Erwerbsleben oder aber sich auf die Versorgung durch einen Ehepartner verlassen, der diesen Vertrag irgendwann auflöst“, erklärte Schliepack. Auch die Tätigkeit in Minijobs, zu der zunehmend auch ehemals feste Arbeitsplätze etwa im Handel oder in der Pflege gehören, habe zur Folge, dass Frauen zunehmend schnell in die Armut abrutschten, führte die Bundesfrauensprecherin weiter aus. Dass sich nach Einführung des Mindestlohnes die Kluft bei den Verdiensten geringfügig verringert hat, begrüßte die SoVD-Bundesfrauensprecherin. Sie mahnte jedoch gleichzeitig: „Für eine armutsfeste Rente reicht die derzeitige Höhe nicht aus!“

Als einen ersten Schritt zu mehr Lohngerechtigkeit bezeichnete auch die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack die Einführung des Mindestlohnes. Denn gerade Frauen arbeiteten besonders oft in Dumpinglohnbereichen, sagte Hannack, die feststellte: „Auch mit dem Mindestlohn sind Frauen oft noch weit entfernt von einer Existenzsicherung.“

Elke Ferner (MdB/SPD), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, nahm Bezug auf den Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit. Festgelegt wurde das Vorhaben von Union und SPD bereits 2013 im Koalitionsvertrag. Der Gesetzentwurf, der auch Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen soll, Entgeltgleichheit herzustellen und transparent zu machen, befindet sich derzeit im Kanzleramt in der Abstimmungsphase. „Was heute an Lohnungerechtigkeit erklärbar ist, z. B., aus welchem Grund viele Frauen in Teilzeitberufen arbeiten, ist deshalb noch längst nicht zu rechtfertigen“, sagte Ferner. „Die Beseitigung von Lohnungerechtigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Auch Hannelore Buls, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, benannte die Teilzeittätigkeit als Armutsfalle insbesondere für Frauen. „Teilzeitarbeit und Minijobs sind zu einem durchgängigen Konzept geworden, überall da, wo Frauen beschäftigt sind“, sagte Buls. Die Vorsitzende des Deutschen Frauenrates berief sich ebenfalls auf die im Koalitionsvertrag getroffenen Zusagen und forderte: „Wir wollen heraus aus der Teilzeitfalle!“

Statements gab es auch von Vertreterinnen der vier Fraktionen im Deutschen Bundestag. Auf dem Podium sprachen sich Karin Maag (MdB/CDU/CSU), Katarina Barley (MdB/SPD), Sahra Wagenknecht (MdB/Die Linke) und Katrin Göring-Eckardt (MdB/Bündnis 90/Die Grünen) mit Nachdruck für mehr Lohngerechtigkeit unter den Geschlechtern aus. Alle Rednerinnen und die anwesenden Aktivistinnen freuten sich über die Unterstützung zahlreich anwesender Männer. So war u. a. der gesamte SoVD-Bundesvorstand bei der Kundgebung vertreten, um für die Rechte der Frauen einzutreten. Auch von den SoVD-Landesverbänden, so u. a. aus Niedersachsen und Berlin-Brandenburg, waren viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter vor Ort.

Zur Ausgabe 2016 der SoVD-Zeitung




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