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Recht auf ein Sterben in Würde

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Noch immer sterben die meisten Menschen im Krankenhaus, obwohl sie sich den Tod in einer ihnen vertrauten Umgebung gewünscht hätten. Ein neues Gesetz soll die Palliativversorgung stärken und die ambulante Betreuung Sterbender zu Hause verbessern. Foto: Photographee.e, fotolia

Mit dem Thema Sterben setzt sich niemand gerne auseinander. Dabei ist der Tod nun einmal untrennbar mit dem Leben verbunden. Der Bundestag hat jetzt ein Gesetz verabschiedet, mit dem die palliative Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen verbessert werden soll. Künftig hat jeder gesetzlich Versicherte einen Anspruch darauf, über seine Möglichkeiten der Vorsorge für die letzte Lebensphase informiert zu werden. Die geplanten Maßnahmen werden vom SoVD grundsätzlich begrüßt. Die angemessene Begleitung Sterbender muss nach Ansicht des Verbandes jedoch überall dort erfolgen, wo Menschen sterben. Für ein flächendeckendes Angebot an Palliativdiensten und Hospizen reiche die vorgesehene Finanzierung allerdings weiterhin nicht aus.

Mit Palliativmedizin wird die Versorgung und die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie deren Angehöriger bezeichnet. Dabei werden Schmerzen gelindert und Symptome behandelt, um die Lebensqualität so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Belastende Behandlungen werden vermieden und die Patienten seelsorgerisch betreut. Damit unterscheidet sich die palliative Medizin von der kurativen (heilenden) Medizin, der es auf die Genesung des Patienten ankommt.

Wo wollen wir sterben?

Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung wollen drei Viertel aller Menschen am liebsten zu Hause sterben. Die Realität sieht jedoch anders aus: Tatsächlich beendet nahezu jeder Zweite sein Leben im Krankenhaus.

Ein Grund hierfür liegt sicherlich darin, dass gerade im Fall einer schweren Erkrankung dort am ehesten eine umfassende medizinische Versorgung gewährleistet ist. Kliniken ohne eine spezielle Palliativstation sind jedoch meist nicht auf die adäquate Betreuung Sterbender eingerichtet. Der Schwerpunkt im Krankenhaus liegt auf der Erhaltung von Leben, nicht auf dem Erhalt von Lebensqualität.

Hinzu kommt, dass entsprechende Palliativstationen oder auch Hospize derzeit nur in etwa einem Viertel aller Stadt- und Landkreise existieren. Patienten und deren Angehörige müssten also weite Wege in Kauf nehmen.

Wie wollen wir sterben?

Auch ambulante Hospizdienste und Teams für eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) sind je nach Region unterschiedlich verfügbar: Während in Baden-Württemberg rein rechnerisch auf eine Million Einwohner 28 ambulante Hospizdienste kommen, ist es im benachbarten Rheinland-Pfalz nicht einmal ein einziges SAPV-Team. Entscheidet also unser Wohnort darüber, wie wir sterben?

Sterben im Krankenhaus

Möglicherweise ist gerade die unzureichende Versorgung durch ambulante Hospizdienste dafür verantwortlich, dass palliativmedizinische Behandlungen im Krankenhaus deutlich zugenommen haben. Dabei gelingt es jedoch häufig nicht, den Patienten so weit zu stabilisieren, dass er in seiner letzten Lebensphase wieder nach Hause entlassen werden kann. Das hat zur Folge, dass der Betroffene nicht selten im Krankenhaus verstirbt, obwohl dies eben nicht seinem eigentlichen Wunsch entspricht.

Unzureichende Versorgung

Je früher eine palliative Versorgung stattfindet, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, zu Hause und in einer gewohnten Umgebung sterben zu können. Bis zu 90 Prozent aller Sterbenden sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin auf eine entsprechende Versorgung angewiesen. Tatsächlich wurde eine solche Betreuung im Jahr 2014 jedoch nur in jedem dritten Fall geleistet. Es ist also an der Zeit, dass wir dem Thema mehr Beachtung schenken.

Dabei geht es wohlgemerkt nicht allein um den Ort, sondern auch um die Art des Sterbens. Eine rechtzeitig beginnende Palliativversorgung kann unnötige und belastende Behandlungen verhindern und Lebensqualität so lange wie möglich erhalten.

Rechtzeitige Vorsorge

Wer sich aktiv mit dem eigenen Sterben auseinandersetzen möchte, sollte zunächst das Gespräch mit dem Hausarzt suchen. Sprechen Sie über Ihre Vorstellungen oder eventuellen Sorgen darüber hinaus auch mit Familienmitgliedern und Freunden! Auch Ihre Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, Sie und Ihre Angehörigen zu beraten. Eine Beratung über Ihr Selbstbestimmungsrecht in Form einer Patientenverfügung oder einer Vorsorgevollmacht bietet zudem der SoVD an.

Zur Ausgabe 2016 der SoVD-Zeitung




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