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Das Recht auf Inklusion - Schule für alle

Hier die Beschreibung des Bildes

Gemeinsam mit seinen Grundschulfreunden besucht Luca Schlot nun das Säume Gymnasium.
Foto: dasprogramm

Luca ist elf Jahre alt und Schüler am Seume Gymnasium in Vacha. Er hat Muskeldystrophie, eine seltene fortschreitende Erkrankung, die mit dem Verlust der Muskelkraft einhergeht. 2011 hat Luca seine Gehfähigkeit verloren. Seine Bewegungseinschränkungen sind hingegen stabil. Und Luca ist klug ? seine intellektuellen Fähigkeiten sind gut. Dass der Elfjährige am Unterricht in seiner Heimatstadt Vacha teilnehmen kann, war jedoch lange Zeit keine Selbstverständlichkeit.

Aufgrund der technischen Ausstattung der Schule und wegen Brandschutzbestimmungen wollte der Schulträger Luca nicht am Gymnasium aufnehmen. Luca sollte stattdessen am 15 Kilometer entfernten Gymnasium Bad Salzungen beschult werden. Erst nach monatelangen Rechtsstreitigkeiten brachte eine einstweilige Verfügung den Durchbruch für Luca und seine Familie. 

Dies war ein Grund für SoVD TV, das Thema aufzugreifen und Luca zuhause zu besuchen. Der SoVD fordert seit langem ein klares Bekenntnis zum Ziel inklusiver Bildung. Gerade erst hat SoVD-Präsident Adolf Bauer im Rahmen der Übernahme des Sprecherratsvorsitzes im Deutschen Behindertenrat (siehe Titelthema dieser Ausgabe) erneut auf den großen Handlungsbedarf im Bereich der gemeinsamen Beschulung behinderter und nichtbehinderter Kinder  hingewiesen. 

Der Film, der für das SoVD-eigene Web-Portal produziert wurde, macht die Schwierigkeiten, mit denen Betroffene zu kämpfen haben, deutlich. Er kann gleichzeitig auch eine Ermutigung für Betroffene sein, ihre Forderung auf Teilhabe durchzusetzen. 

Für Anja Schlott, Lucas Mutter, war der Widerstand der Behörden nicht nachvollziehbar. "Wir haben nicht verstanden, was jetzt in Vacha das große Problem sein sollte. Denn die technischen Möglichkeiten sind vorhanden durch ein Treppensteigegerät, mit dem der fehlende Lift ausgeglichen werden kann", blickt sie zurück.

"Wir vermuten, dass der Landkreis eine Stützpunktschule schaffen wollte oder das nach wie vor möchte, und dass diese in Bad Salzungen sein soll. Alle Schüler, die ein körperliches Handicap haben, sollen dann dorthin fahren." Man habe versucht, alle anderen Argumente, die zur Verfügung standen, ebenfalls zu nutzen, um Luca den Schulbesuch in seiner Heimatstadt Vacha zu verwehren, berichtet sie weiter. 

Dabei wäre der Schulbesuch in Bad Salzungen für Luca eine große Umstellung und Belastung gewesen. 

Luca hat Pflegestufe 2. Das bedeutet, dass seine körperlichen Kräfte langsam schwinden. "Zusätzliche Belastungen bewirken bei ihm einen deutlich schnelleren Verlust der Muskelkraft. Die täglichen Transporte nach Bad Salzungen hätten zu übermäßigen Anstrengungen geführt", erklärt seine Mutter. "Wegen der mangelnden Rumpfstabilität bedeutet das Autofahren eine große Belastung für ihn." 

Zudem wäre Luca täglich mehr als eine Stunde später zu Hause gewesen. Zeit, die für die notwendige Physiotherapie, für Hausaufgaben und etwas Freizeit gefehlt hätte. 

Trotz all dieser medizinisch belegten Argumente und verschiedener Gutachten zeigten sich die Behörden uneinsichtig. Erst nach aufreibendem Hin und Her auf juristischem Wege kam schließlich der Wendepunkt. Den brachte eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes in Meiningen.

"Es wurde klar gesagt, dass Brandschutz kein Problem sei, was allein Luca angehe. Wenn es hier Mängel gäbe, dann beträfe dies ganz eindeutig alle Schüler und könne kein Grund sein, ausgerechnet Luca den Schulbesuch zu verwehren." 

Seine Freunde, seine Großeltern, die gleich nebenan wohnen, sein Anwalt Dr. Oliver Tolmein und der Behindertenbeauftragte des Landes Thüringen, Dr. Paul Brockhausen mit seinen Mitarbeitern Markus Lorenz und Sabine Kamke  setzten sich mit all ihren Möglichkeiten für Luca ein. 

Auch der SoVD-Landesverband Thüringen machte sich dafür stark, dass die Rahmenbedingungen geschaffen wurden, die es Luca nun ermöglichen, gleichberechtigt am Schulalltag teilzunehmen. "Wenn ich erstmal eine Schule barrierefrei gestalten muss, dann kostet das natürlich Geld. Aber wir haben nun mal die UN-Behindertenrechtskonvention", sagt Maik Nothnagel, 1. Landesvorsitzender des SoVD-Landesverbandes Thüringen. 

Auch Ramona Möbius, Dozentin für Inklusion und Religionslehrerin von Luca, tritt für mehr Bewusstsein ein."Inklusion bedeutet nicht nur, dass die äußeren Rahmenbedingungen stimmen müssen. Viel wichtiger ist es, die Kultur zu schaffen, in der wir leben. Sind wir vom Kollegium und alle, die wir beteiligt an der Beschulung sind, in den Köpfen offen für Inklusion?" 

Luca ist glücklich, nun doch die Schule gemeinsam mit seinen Grundschulfreunden besuchen und in seinem gewohnten Umfeld sein zu können. Auch für Spiel und Freizeit bleibt etwas Raum. "Ich wünsche mir, dass ich auf dem Gymnasium bleiben kann und gute Noten bekomme", sagt Luca.

Den Filmbeitrag können Sie sich (auch mit Untertiteln) auf www.sovd-tv.de oder YouTube anschauen und herunterladen.

Zur Ausgabe 2014 der SoVD-Zeitung




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