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Behinderung ensteht durch Benachteiligung

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Wieviele Menschen mit Behinderung leben in einer festen Partnerschaft? Der Teilhabebericht der Bundesregierung geht unter anderen auch solchen Fragen nach.
Foto: muro/fotolia

Vor Kurzem ist der Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeineinträchtigung veröffentlicht worden. Anders als in Berichten vorheriger Legislaturperioden, stellt der 300-seitige Bericht nun die Lebenslagen und die tatsächliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Vordergrund. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) begrüßt das veränderte Konzept.

Über 7 Millionen Menschen gelten in Deutschland als schwerbehindert. Rund 17 Millionen Menschen über 18 Jahre leben laut Bericht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder chronischen Krankheiten. Da die meisten Beeinträchtigungen nicht angeboren sind, sondern erst im Laufe des Lebens entstehen, wird sich im Zuge der demografischen Entwicklung die Zahl der Menschen mit Beeinträchtigung und Behinderung erhöhen.

Im Teilhabebericht der Bundesregierung wird zwischen Beeinträchtigung und Behinderung insofern unterschieden, als bei einem Vorliegen von Besonderheiten in der Körperfunktion oder -struktur nurmehr von Beeinträchtigung gesprochen wird. Erst, wenn im Zusammenhang mit dieser Beeinträchtigung Teilhabe und Aktivitäten durch ungünstige Umweltfaktoren eingeschränkt werden, wird von Behinderung gesprochen.

Beeinträchtigung ist Teil menschlicher Vielfalt

In dem Bericht wird Wert auf den Blickwinkel gelegt, dass Beeinträchtigung Teil menschlicher Vielfalt ist. So heißt es direkt zu Beginn: "Es ist normal, verschieden zu sein. Behinderung entsteht hingegen durch Benachteiligung." Vor diesem Hintergrund werden folgerichtig die Lebenslagen von Menschen untersucht, die beeinträchtigt sind und die Behinderungen durch ihre Umwelt erfahren. Dabei werden verschiedene Indikatoren genutzt, um das Maß der Teilhabechancen abzubilden. Verglichen werden die Chancen von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung aus der Wahrnehmung von Menschen mit Beeinträchtigung heraus. Die Indikatoren stützen sich auf Daten repräsentativer Umfragen.

Im Teilhabefeld Familie und soziales Netz kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass mangelnde soziale Bindungen die Teilhabe erschweren. 31 Prozent der Menschen mit Beeinträchtigung leben alleine. Sie haben seltener  einen festen Partner und sind seltener verheiratet. Im Vergleich leben nur 21 Prozent der Menschen ohne Beeinträchtigung alleine.

Menschen mit Behinderung sind öfters arbeitslos

In Bezug auf die Chancen im Erwerbsleben wird festgestellt, dass Menschen mit Beeinträchtigung öfter arbeitslos sind, sich öfter in prekärer Beschäftigung befinden und über geringere Einkünfte verfügen.

Thematisiert wird auch die Situation älterer Menschen mit Beeinträchtigung sowie die der von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Dabei werden mehrere Faktoren ausgemacht, die den Anteil von Menschen mit diagnostizierten psychischen Störungen unter den anerkannten Schwerbehinderten steigen lassen.

Im Kontext früherer Teilhabeberichte hatte der SoVD kritisiert, dass eine echte Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit behinderter Menschen und ihren Diskriminierungserfahrungen nicht in ausreichendem Maße erfolgt war. So hatte etwa die Tatsache, dass behinderte Menschen die größte Gruppe bilden, die Beratung und Hilfe bei der Antidiskriminierung des Bundes suchen, keine Erwähnung gefunden.

Sichtbarmachung von Diskriminierungserfahrung

In der Bewusst- und Sichtbarmachung von Diskriminierungserfahrungen von Menschen mit Behinderung sieht der SoVD jedoch eine wichtige Aufgabe des behindertenpolitischen Berichtes. In der Neukonzeption wird dieser Anforderung nun verstärkt Rechnung getragen. Die lebensechte Darstellung bietet aus Sicht des SoVD die Möglichkeit zur Entwicklung konkreter Handlungskonzepte."Das Ziel, Barrieren für die Betroffenen abzubauen, rückt damit näher", stellt SoVD-Präsident Adolf Bauer dazu fest. "Denn der Alltag der Betroffenen wird jetzt endlich deutlicher. Dies ist insbesondere in den Bereichen Bildung, Arbeit und politische Teilhabe unverzichtbar. Doch der Bericht zeigt auch, wie groß die Datenlücken noch sind. Hier muss weitergearbeitet werden, damit die Lebenslage behinderter Menschen endlich sichtbar wird."

Zur Ausgabe Oktober 2013 der SoVD-Zeitung




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