Sie befinden sich hier: Sozialverband Deutschland e.V. > Informieren > SoVD-Zeitung > Neues aus der SoVD-Zeitung > Stark belastet, geringer entlohnt


SoVD - Sozialverband Deutschland e.V. - Startseite

Stark belastet, geringer entlohnt

Hier die Beschreibung des Bildes

Die Pflegekräfte sowie die Beschäftigten in den Reinigungs- und Verpflegungsdiensten finden sich am untersten Ende des Lohnspektrums im Gesundheitswesen wieder (Foto: diego cervo/fotolia).

Dass es eine Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen gibt, ist längst kein Geheimnis mehr. Nachweislich verdienen in Deutschland Männer immer noch knapp ein Viertel mehr als Frauen. Das bedeutet: Frauen müssen bei gleicher Ausbildung und im gleichen Beruf in aller Regel fast drei Monate länger arbeiten, um auf denselben Verdienst zu kommen. In kaum einem anderen EU-Land ist die geschlechtsspezifische Entgeltlücke so groß. Erschwerend kommt hinzu, dass sich immer mehr Frauen in der Situation der Familienernährerin wiederfinden, mehrfach belastet von Erwerbs- und Hausarbeit bei gleichzeitiger Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige.

Um auf die Lohnungerechtigkeit aufmerksam zu machen und die Lage vieler Frauen zu verbessern, findet in diesem Jahr zum fünften Mal der Equal Pay Day statt. Auch der Sozialverband Deutschland beteiligt sich daran mit über 100 Aktionen bundesweit (siehe auch Aktionskarte auf Seite 6). Unter dem Motto "Viel Dienst ? wenig Verdienst" stehen 2013 die Berufe im Gesundheitsbereich im Fokus des Aktionstages am 21. März.

Beinahe drei Viertel aller Beschäftigen im Gesundheitsbereich sind Frauen. Ein großes Spektrum unterschiedlicher Arbeitsfelder lässt sich darunter zusammenfassen: die Alten- und Krankenpflege, das medizinische Fachpersonal in Praxen und Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die Ärzteschaft, die Gruppe der medizinisch-technischen Angestellten, die Hebammen, die Beschäftigten in den Reinigungs- und Verpflegungsdiensten u. v.  m. Sie haben, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, vieles gemein: niedrige Entlohnung, ungünstige Arbeitsbedingungen, vergleichsweise schwierige Aufstiegsmöglichkeiten und fehlende gesellschaftliche Anerkennung. Zwar wird gemeinhin nicht infrage gestellt, dass medizinische und soziale Berufe einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Aber eine Gleichstellung in der Entlohnung findet damit noch lange nicht statt.

Wenn über die komplexen und in Wechselwirkung zueinander stehenden Ursachen  für das geschlechtsspezifische Lohngefälle gesprochen wird, werden meist nacheinander folgende Gründe angeführt: Frauen können Beruf und Privatleben nur schwer miteinander verbinden, weil sie einen überproportionalen Anteil der familiären Verpflichtungen übernehmen. Frauen arbeiten deshalb häufig in Teilzeit oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Frauen können sich in Lohnverhandlungen schlechter durchsetzen, und dies, obwohl sie seit Jahren im Schnitt die besseren Schul- und Universitätsabschlüsse machen. Frauen werden für exakt die gleiche Tätigkeit in aller Regel schlechter entlohnt als ihre männlichen Kollegen. Und: Frauen wählen häufig grundsätzlich schlechter bezahlte Berufsfelder.

Offenkundig ist dabei für jeden die Ungerechtigkeit einer unterschiedlichen Entlohnung bei gleicher Tätigkeit. Genauso berechtigt ist jedoch die Frage, warum die sogenannten Frauenberufe fast ausnahmslos schlechter bezahlt werden als die tradierten Männerberufe.

Mehr Geld in der Werkstatt als in der Großküche?

Es macht Sinn, Frauen zu ermuntern, technische Berufe zu ergreifen. Angebracht erscheint es aber ebenso, gleichzeitig anzuzweifeln: Ist es gerecht, wenn der Leiter einer Autowerkstatt weitaus mehr verdient als die Leiterin einer Großküche?

Die Gesundheitsberufe, die im Fokus des diesjährigen Equal Pay Day stehen, sind ein deutliches Beispiel dafür, dass die Kriterien der Lohnfindung nicht immer im gerechten Verhältnis zum gesellschaftlichen Stellenwert der ausgeübten Tätigkeit stehen. Denn die Gesundheit gilt zwar allgemein als höchstes Gut. Doch im Prozess der geschlechtsspezifischen Lohnfindung spiegelt sich das nicht wider. So liegen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen die Personalkosten bei etwa 70 Prozent der Gesamtkosten. Und dennoch sind die Löhne für die nichtärztlichen Fachkräfte, die zu mehr als 80 Prozent weiblich sind, im Vergleich deutlich niedriger als in anderen Branchen.

Pflegekraft ? schlecht bezahlter Knochenjob

Besonders wird dieser Missstand am Beispiel der Pflegekräfte deutlich. Die Pflege älterer, häufig demenziell erkrankter Menschen ist ein physischer und psychischer "Knochenjob". Daran hegt niemand Zweifel. Dennoch geht eine Pflegekraft mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 2360 Euro nach Hause. Je nach Ausbildung variiert die Lohnuntergrenze im Pflegebereich bis zur Untergrenze von 1828 Euro brutto.

Gegen diese Missstände und für die Belange von Frauen setzt sich der SoVD seit vielen Jahren ein. SoVD-Frauensprecherin und Präsidiumsmitglied Edda Schliepack, die am Aktionstag erneut vor dem Brandenburger Tor als Rednerin auftreten wird, sagt dazu: "Unser Verband wird nicht nachlassen, Politik und Arbeitgeber aufzufordern, ungerechte Lohnstrukturen zu korrigieren und die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern aufzuheben. Dazu gehört, endlich einen gesetzlichen Mindestlohn zu beschließen, denn insbesondere Frauen müssen häufig für Dumpinglöhne arbeiten. Wir fordern die Bundesländer auf, endlich mit einem flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen sowie einen besseren Wiedereinstieg in das Erwerbsleben."

Zur Ausgabe 2013 der SoVD-Zeitung




>> Zum Seitenanfang