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Positionen aus der Lebenswirklichkeit

Hier die Beschreibung des Bildes

Auszubildende des BBW Bremen mixten gesunde alkoholfreie Drinks. Von links: Melanie Holz, Katharina Bieker und Yvonne Raff.

Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf standen vom 10. bis 13. Oktober im Mittelpunkt der internationalen Fachmesse RehaCare in Düsseldorf. 851 Aussteller, davon über 300 aus dem Ausland, zeigten in sechs großen Messehallen den internationalen Markt der Hilfen für ein selbstbestimmtes Leben. Der SoVD war mit einem Stand vor Ort und brachte sich im Rahmen des begleitenden Fachkongresses "Wohn(t)raum ? Selbstbestimmtes Wohnen und Pflege zu Hause" mit drei Fachbeiträgen in die inhaltliche Diskussion ein. Auch bei der Veranstaltung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) "Barrierefrei in die Zukunft ? mit allen und für alle" war der SoVD auf dem Podium präsent.

In ihrem Eröffnungsvortrag appellierte Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, an eine Veränderung in den "Köpfen und in festgefahrenen Strukturen". Sie ging dabei insbesondere auf die große Zahl demenziell erkrankter Menschen ein. Viele Menschen mit Demenz erlebten die "Barriere an der Haustür", weil ihre Angehörigen Angst hätten, so die Ministerin. "Wenn wir eine wirklich inklusive Gesellschaft wollen, wo alle Menschen mit Einschränkung selbstbestimmt und geschützt leben wollen, muss es möglich sein, Trägergrenzen zu überwinden."

Nach dem Vortrag der Ministerin boten die fünf Vortragsreihen des begleitenden Fachkongresses Positionen aus der Lebenswirklichkeit. In seinem Beitrag "Selbstbestimmung durch Assistenz ? Impulse der Behindertenrechtskonvention für die pflegepolitische Debatte" machte SoVD-Präsident Adolf Bauer insbesondere auf die Belange älterer pflegebedürftiger Menschen aufmerksam. "Oft dominiert das Bild des jungen Rollifahrers, der über sein persönliches Budget Assistenzkräfte beschäftigt, arbeitet und sein Leben managt. Die Wirklichkeit ist eine andere!" Fast ein Drittel der behinderten Menschen seien über 75 Jahre; fast 50 Prozent zwischen 55 und 75 Jahre alt, mahnte der SoVD-Präsident. Auch für diese Menschen müssten die Ziele der UN-Behindertenrchtskonvention umgesetzt werden. Angesichts von aktuell 1,4 Millionen demenziell erkrankter Menschen forderte er: "Würdevolle Pflege darf psychisch-kognitive Einschränkungen nicht ausblenden." Schließlich erneuerte der SoVD-Präsident die Forderung, pflegenden Angehörigen und professionellen Pflegekräften endlich mehr Anerkennung und gesellschaftliche Unterstützung zukommen zu lassen.

Als Sprecherin der Frauen im SoVD hielt Präsidiumsmitglied Edda Schliepack ein Referat über die an Bedeutung zunehmende Kultursensibilität in der Pflege. Schliepack zeigte einen besonderen Handlungsbedarf hinsichtlich des Zugangs von Migrantinnen und Migranten zu Pflegeleistungen und -institutionen auf. Dabei stellte sie klar: "Kultursensibilität meint nicht die Schaffung spezialisierter Angebote für spezielle Gruppen, sondern die Öffnung für alle Menschen."

Matthias Herter, Geschäftsführer der SoVD-Tochtergesellschaft meravis, setzte sich in seinem gut besuchten Vortrag mit altersgerechten Wohnformen der Zukunft auseinander. Seine Präsentation bot Fachleuten und Betroffenen ein plastisches Bild über die Bedeutung guter Vernetzung im Alter und die Chancen, die sich durch die Möglichkeiten direkter Interaktion über das Web 2.0 gerade für ältere Menschen bieten. Claudia Tietz, SoVD-Referentin in der Bundesgeschäftsstelle, nahm für den SoVD aktiv auf dem Podium an der BAR-Veranstaltung "Barrierefrei in die Zukunft" teil.

Am SoVD-Stand in Messehalle 3 mixten Auszubildende des Berufsbildungswerkes Bremen fleißig wohlschmeckende alkoholfreie Drinks für die Standbesucher. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter des SoVD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen beantworteten Besucherfragen. In mehrstündigen Sprechstunden stellten SoVD-Präsident Adolf Bauer, Vizepräsidentin Gerda Bertram und SoVD-Bundesfrauensprecherin Edda Schliepack zudem die Arbeit des Verbandes als einem der größten Behindertenverbände Deutschlands vor.

Zur Ausgabe November 2012 der SoVD-Zeitung




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