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Frauen- und Familienpolitik - Achter Familienbericht "Zeit für Familie"

Achter Familienbericht: "Zeit für Familie"

Für eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf

(Stand: 05/2012)

Das Bundeskabinett hat am 14. März 2012 den Achten Familienbericht beschlossen, der aus dem Bericht der unabhängigen Sachverständigenkommission "Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik" und der Stellungnahme der Bundesregierung besteht.

Der Familienbericht soll bewusst machen, dass Familien gleichermaßen von ökonomischen Ressourcen wie von Zeitressourcen leben. Das Anliegen des Berichtes ist es, Zeitbedarfe von Familien zu untersuchen und Gestaltungsmöglichkeiten gesellschaftlicher Familienzeitpolitik darzulegen, die es Familien besser ermöglichen, auch unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Wie lauten die Grundthesen der Sachverständigenkommission?

Die Sachverständigenkommission hat vier zentrale Handlungsfelder herausgearbeitet mit dem Ziel, die notwendigen zeitlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Familien zu schaffen:

  1. Zeit ist nicht per se knapp, es gibt jedoch Zeitknappheiten und Zeitkonflikte in bestimmten Lebensphasen und Lebenslagen von Familien, deren gesellschaftliche und gesamtwirtschaftliche Konsequenzen bedeutsam sind und die deshalb von der Familienpolitik mehr als bisher beachtet und angesprochen werden müssen.
  2. Ein bloßes Mehr an Zeit für Familie ist nicht ausreichend. Es geht darum, Familie auch für jene Menschen lebbar zu machen, die gemäß ihrer Wünsche oder aus ökonomischer Notwendigkeit Zeit für andere Handlungsbereiche ? in erster Linie Erwerbstätigkeit ? brauchen. Familienpolitik ist im Allgemeinen darauf auszurichten, unerwünschte Einschränkungen der Wahlfreiheit der Lebensführung abzubauen.
  3. Gelingende Familie und Förderung des Kindeswohls ist auch eine Aufgabe von Staat und Gesellschaft. Mehr Verantwortung für Familie heißt deshalb nicht unbedingt mehr Verantwortung für Eltern. Den positiven gesamtwirtschaftlichen Effekten von Elternschaft müssen entsprechende Beiträge der Allgemeinheit gegenüberstehen. Eine Politik, von der die Allgemeinheit stärker profitiert als die Eltern, verfehlt ihr Ziel.
  4. Nur unter Anerkennung ihrer Vielfalt kann die Familie sachgerecht gefördert werden. Eine moderne Familienförderung orientiert sich an Familien, nicht an Familienmodellen. Familien sollen ihr Familienleben nach eigenen Vorstellungen gestalten können (siehe Bericht S. 186).

Welche Lösungen bietet der Bericht, um Zeitkonflikte zu beheben?

Frauen übernehmen laut achtem Familienbericht den überwiegenden Teil der Aufgaben in den Familien  ? sowohl bei der Kinderbetreuung und Pflege als auch bei der Hausarbeit. Gleichzeitig wünschen sich aber viele Frauen mit Familienverantwortung eine deutlich umfangreichere Teilhabe am Arbeitsmarkt, die sie aufgrund der vorherrschenden Rahmenbedingungen jedoch nicht realisieren können.

Die Expertenkommission regt deshalb eine familienfreundlichere Arbeitszeitgestaltung in den Unternehmen an, beispielsweise in Form flexibler Arbeitszeiten. Gleichzeitig mahnt sie den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur an sowie flächendeckende Betreuungsangebote für Kinder während der Ferien. Stärkere Unterstützung könnten Familien zudem auch von älteren Menschen im Rahmen ehrenamtlichen Engagements erfahren, findet die Kommission.

Die Bundesregierung will die Elternzeit flexibler gestalten. Von der insgesamt dreijährigen Auszeit sollen künftig 24 Monate bis zur Vollendung des 14. Lebensjahrs des Kindes genommen werden können. Bislang konnten nur zwölf Monate bis zum vollendeten achten Lebensjahr genutzt werden. Zudem soll der Teilzeitanspruch während der Elternzeit besser geregelt werden. Insbesondere Familien mit kleineren und mittleren Einkommen sollen außerdem haushaltsnahe Dienstleistungen leichter in Anspruch nehmen können.

Weiterhin soll die Großelternzeit eingeführt werden, um das Engagement und die Beteiligung älterer Menschen zu stärken. So soll der Zusammenhalt der Generationen in Familien darüber gefördert werden. Ähnlich der Elternzeit sollen Großeltern künftig leichter eine Auszeit vom Beruf nehmen können, wenn sie sich um ihre Enkel kümmern. Zwar gibt es die Großelternzeit bisher schon, doch ist sie nur für bestimmte Härtefälle vorgesehen. Ein Anspruch besteht demnach etwa dann, wenn Großeltern mit Enkelkindern im selben Haushalt leben und zusätzlich ein Elternteil minderjährig ist oder sich in der Schlussphase einer Ausbildung befindet, die als Minderjähriger begonnen wurde.

Die Bundesregierung möchte den Familien mehr Freiräume bei der Ausgestaltung ihres Alltaglebens schaffen. Dazu gehört, die Öffnungszeiten von Schulen, Kitas und Behörden besser aufeinander abzustimmen. Die Regierung will deshalb mit Hilfe bundesweiter Initiativen "Lokale Bündnisse für Familie" Angebote für eine kommunale Zeitpolitik erarbeiten und in Modellprojekten erproben.

Was sagt der SoVD zum Achten Familienbericht?

Der Achte Familienbericht zeigt die große Bedeutung des Faktors Zeit für Familien auf. Für ein gelingendes Familienleben im Alltag und im Lebenslauf ist Zeit eine unverzichtbare Voraussetzung, Verantwortung und Fürsorge zwischen den Generationen übernehmen zu können. Für eine moderne Politik spielt der Zeitfaktor ? gerade auch in Anbetracht neuer Rollen von Frauen und Männern ? eine bedeutende Rolle. Daher begrüßt der SoVD die Grundaussagen zur Familienzeitpolitik. Die Ideen der Umsetzung bleiben jedoch gemessen an den eigenen Grundthesen und deren Zielen blass.

Der SoVD stimmt mit der Forderung des Berichtes überein, die Familienaufgabe zwischen den Geschlechtern gerechter zu verteilen. Denn immer noch sind es überwiegend Frauen, die sich um Haushalt, Erziehung und/oder Pflege kümmern. Weiterführende Möglichkeiten für eine gerechtere Verteilung von Familienzeit zu schaffen, wären nach Ansicht des SoVD die Ausweitung der Partnermonate, ein besserer Zugang für Männer und Frauen zu zeitlich befristeter Teilzeitarbeit sowie eine Rückkehrmöglichkeit zur Vollzeit. Ein anderes wichtiges Anliegen des SoVD ist die Forderung nach gleichen Lohn für gleiche Arbeit von Männern und Frauen, also eine gleichstellungsgerechte Bezahlung.

Positiv bewertet der SoVD, dass sich berufstätige Eltern die Zeit mit ihren Kindern zukünftig besser einteilen können.

Der SoVD kritisiert, dass Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund kaum erwähnt werden.

Zur Einführung der Großelternzeit stellt sich die Frage, ob die sehr deutliche Einbindung von Oma und Opa in die Kinderbetreuung tatsächlich dem Wunsch der Beteiligten entspricht oder nicht vielfach auch purer Notwendigkeit geschuldet ist. Fakt ist: Der Ausbau von Betreuungsplätzen für unter Dreijährige hinkt den Plänen hinterher, immer noch haben viele Eltern Schwierigkeiten, für ihre Kleinkinder einen der raren Plätze in einer Krippe zu bekommen.

Die ehrenamtliche Arbeit von Älteren muss nach Ansicht des SoVD weiterhin freiwillig erfolgen. Das ehrenamtliche Engagement kann eine gute und hilfreiche Ergänzung sein, kann jedoch die notwendigen politischen Maßnahmen zur zeitlichen Entlastung der Familien nicht ersetzen.

80 Prozent der Eltern wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der SoVD fordert daher mehr Investitionen für den Ausbau der Ganztagskitas und -schulen und familienbewusstere Arbeitszeiten.

Bei Einzelfragen wenden Sie sich bitte an Ihre SoVD-Beratungsstelle. Die Anschriften der SoVD-Landes- und Kreisverbände erfahren Sie auch auf unserer Internetseite unter www.sovd.de/verbandsebenen.0.html

 

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