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Trabbi trifft BMW ? 20 Jahre Freundschaft

Gisela Gocke-Hüne ist SoVD-Mitglied im Ortsverband Bad Nenndorf (Landesverband Niedersachsen). Für ihre Einsendung im Rahmen des Wettbewerbs "20 Jahre Deutsche Einheit" erhält sie von der Redaktion den zweiten Preis zuerkannt. Ihre Geschichte beginnt am 9. November 1989: Gemeinsam mit ihrem Mann verfolgt Gisela Gocke-Hüne an diesem Abend den Fall der Mauer im Fernsehen. Beide können zunächst nicht glauben, was sie dort sehen. Am folgenden Tag müssen beide arbeiten, doch am 11. November macht sich das Ehepaar gemeinsam auf den Weg an die Grenze. Wir fahren nach Helmstedt, um die Freude der Menschen zu erleben. Um 11.30 Uhr parken wir unseren 5er BMW in einer Seitenstraße und begutachten erstmal auf der Gegenseite einen Trabbi. Und da kommt auch schon ein Pärchen des Weges, das uns wohl beobachtet hat. Sie sind die Besitzer des Trabbi. Keck spricht der Mann meinen Mann an: "Na, wollen wir tauschen?" und zeigt auf den BMW und seinen Trabant. "Das würde ich an Ihrer Stelle auch sagen", kontert mein Mann gleich zurück. Wir sind alle überrascht von der Überschwänglichkeit und der Freude der Menschen, wo der Augenblick so viel Nähe produziert, und sie erzählen, dass sie erstmal ihr Begrüßungsgeld abgeholt, so viele verschiedene Brotsorten noch nie beim Bäcker gesehen haben und überhaupt ganz benommen sind von all den Waren in den Geschäften. Aber mit uns im Lokal anstoßen können sie nicht, ihr Mann muss "auf Arbeit zur Mittagsschicht". Sie sind auch sehr früh losgefahren, weil sie es nicht glauben konnten und erleben wollten, ob man einfach so über die Grenze fahren kann. Wir sind uns gleich sympathisch und tauschen noch unsere Adressen. Nun geht die Post hin und her und wir verabreden uns in Königslutter zu einem näheren Kennenlernen. Es folgen gegenseitige Besuche, wir lernen ebenfalls ihre Eltern kennen und schätzen. Als der Mann arbeitslos wurde, hat mein Mann in verschiedenen Unternehmen die Beschäftigungsmöglichkeiten recherchiert." (...) "1996 kam ihre Tochter Elisa zur Welt und ich wurde Patentante. Nun ist sie 13 Jahre alt und kommt gern in den Ferien. Aber auch sonst hören und sehen wir uns alle fünf regelmäßig im Jahr und besuchen uns an Geburtstagen. Die Familie ist im Osten wohnhaft geblieben, sie hat vor fünf Jahren ihr eigenes Häuschen in Haldensleben gebaut, und sie fühlen sich dort sehr wohl. Wir selbst haben auch vor vier Jahren nochmals gebaut, vor Kurzem unsere Rente beantragt und sehen mit Spannung darauf, was die Zukunft bringen wird. Für beide Seiten ist die Freundschaft eine Bereicherung und hat zu mehr Verständnis für das Leben im Osten wie im Westen geführt. Wir mögen uns sehr, und die zwanzig Jahre feiern wir in den Herbstferien. Wir fahren gemeinsam für zwei Tage in die Messestadt Leipzig und werden dort auf unsere lang anhaltende Freundschaft und die Zukunft anstoßen. So etwas ist nicht selbstverständlich.




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