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05.08.2009 - Heike K.

05.08.2009 - Leserbrief von Heike K.

Integration von Menschen mit Behinderung

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,
 
grundsätzlich sollte es vollkommen selbstverständlich sein, dass 'Behinderte' mit 'nicht Behinderten' gemeinsam beschult werden. Nur, dies ist bei der Schulgesetznovellierung 07 scheinbar vollkommen vergessen worden; denn: die Voraussetzungen stimmen nicht.
Sämtliche BefürworterInnen des längeren gemeinsamen Lernens sind einem Ideal hinterher gelaufen, dass hier in SH nicht umgesetzt werden kann. Das Land ist pleite, und das ist nicht erst seit 'gestern' bekannt. Trotzdem hat Frau Erdsiek-Rave (EXBildungsministerin), die sich jämmerlich beschwert auf so unfaire Art und Weise zusammen mit ihren 3 anderen Genossen aus den Ämtern geflogen zu sein, mit aller Gewalt ein Schulgesetz durch gedrückt, dass im Lande SH nicht nach dem so viel gepriesenem Finnischen oder Norwegischen Modell umsetzbar ist. Viele Jahre gezielter Vorarbeit bedurfte es, die Eltern, die sich das Beste auch für die schwächeren SchülerInnen erhofft hatten, dahin zu bringen, für das sogenannte 'längere gemeinsame Lernen' zu stimmen. Manche verfielen in regelrechte Euphorie. Mit Verwunderung stelle ich fest, dass diese Euphorie tatsächlich bei manchen anhält.
Nun die brutalen Fakten: übervolle Klassen, überforterte Lehrkräfte, die trotzdem immer noch versuchen, das Beste für ihre SchülerInnen zu geben, vorzeitige Ruheständler (tlw. hervorragende Frontallehrkräfte), die dem Druck nicht mehr standhielten, tlw. hohe Krankenstände, aufgefangen durch EVA = eigenverantwortliches Arbeiten (ich nenne es Stundenausfall), Chaos in vielen neu umgewandelten Schulen und Existenzangst wegen der Bezugsgröße (kurze Beine kurze Wege?). Und die so viel gepriesene 'individuelle' Förderung? Wo ist sie hin, bei Klassen von tlw. über 30 SchülerInnen? Wo sind sie hin, die Nachwuchslehrkräfte (2671), die sich für das Schuljahr ab 07 bewarben? Gut 2000 dieser engagierten jungen Lehrkräfte wurden vergrault, kein Geld mehr da. Mit viel Taktik wurde der Weg dahin geebnet, dass auch die Gymnasien genau so wie die standhaften 'Nichtumwandler' ums Überleben kämpfen müssen. Denn die umgewandelten Schulen bekommen mehr Zuwendungen wie Lehrerstunden oder finanzielle Mittel.
Der Vorzeige-Gemeinschaftsschule Fehmarn liefen schnell nach Beginn die gymn. Empfohlenen weg. Ein Minimum an GemS verfügt über eine gymn. Oberstufe. Das Ziel der EXBildungsministerin war, die Gymnasien so lange zu drangsalieren, dass dann irgendwann ein Zusammenschluß mit umliegenden RegS oder GemS eine GemS mit Oberstufe draus wird. Durch den Bruch der Koalition ist aber Land in Sicht.
Finnland oder auch Norwegen verfügen über Klassenstärken von 15 SchülerInnen. Es unterrichten gleichzeitig 2 Lehrkräfte und eine sozialpädagogische Kraft in dieser Klasse. Nicht nacheinander wie z. B. in Fehmarn mit Klassenstärken fast doppelt so hoch.
Die 'Starken' nehmen die 'Schwachen' mit. Auch diese Rechnung der Exbildungsministerin geht nicht auf: Denn es funktioniert eher umgekehrt. Wer strengt sich schon gerne an, wenn er nicht gefordert und für den Erfolg belohnt wird? Es gibt sogannte 'Ü'-Noten. Für die Hauptschulempfohlenen werden die Noten aufgewertet. Note '6' = '4'.
Zum Schluß: Eine nicht unerhebliche Zahl von Eltern sehen zu, dass ihre Kinder wenn es irgendwie geht, auch als Quereinsteiger auf ein Gymnasium zu schicken, um zumindest dort einen akzeptablen mittleren Bildungabschluß zu erlangen.
Schon viel früher hätte jemand der EXBildungsministerin auf die Finger hauen müssen. Sie als ehemalige Lehrerin müßte doch wissen, worauf es in der Schule ankommt. Sie und nahezu jeder der KollegenInnen in Kiel sind doch 'Produkte' eines bewährten 3-gliedrigen, klar strukturiertem und durchlässigem Schulsystems. Warum alles umschmeißen, ohne, dass vorher auch nur annähernd versucht wurde, mit gut durchdachten Reformen, wie die verb. Ganztagsschule für die HauptschülerInnen, mit dem Weiterführen des freiwilligen 10., Schuljahres verbunden mit Einblicken in die Praxis? Warum wurde nicht einfach die Bemessungszahl gesenkt? Dann hätten wir mehr Lehrkräfte und kleine Klassen und und und.
Also, gerne noch einmal: Gerne I-Klassen, bei den entsprechenden Voraussetzungen!
 
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