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09.04.2008 - Gisa Homann

09.04.2008 - Leserbrief von Gisa Homann

Patientenrechte

Sehr geehrte Redaktion, es ist sehr schön, dass Sie über das Thema Patientenrechte berichten. Leider erweckt der Artikel den Eindruck, dass man bei den genannten Intitutionen den richtigen Ansprechpartner hat. Dies ist eher nicht der Fall. Schön wäre gewesen, wenn Sie auf die UPD`s (Unabhängige Patientenberatung Deutschland) hingewiesen hätten. Denn hier erhält der Versicherte wirklich unabhängige Beratung. Viele Krankenkassen verweisen an die Ärztekammer, diese vertritt aber eigentlich die Interessen der Ärzte, dies teils mit sehr fragwürdigen Methoden zum Schaden der Patienten. Die Strategie einiger Ärztekammern scheint eher das 'Abwimmeln' zu sein. Außerdem fehlt in Ihrem Bericht der Hinweis, dass es gar nicht zum Schiedsverfahren mit ggf. Einigung kommt, wenn der Arzt dem Verfahren nicht zustimmt. Verweigert er sich einem Schiedsverfahren mithilfe der Ärztekammer, gibt der Versicherte auf oder ist genötigt, in die Klage zu gehen. Geht es um die Einsicht in Unterlagen oder deren Kopien, braucht man keinen Anwalt, sondern reicht Klage direkt beim Amtsgericht ein. Dort ggf. vorher anrufen, welche Unterlagen diese benötigen. Der Versicherte muss Vorkasse leisten, ca. 100,- ?. So das Gericht dem Versicherten zuspricht, kann dieses Geld vom Arzt zurückgefordert, im Zweifel wieder eingeklagt werden. Geht es um einen Behandlungsfehler, empfiehlt sich dringend die Suche nach einem Fachanwalt für Medizinrecht (nicht gleich Anwalt für Medizinrecht) und zwar einer, der eher Versicherte vertritt, als einer, der eher Ärzte und Kliniken vertritt. Hier kann auch die UPD weiterhelfen. Wenn man dann Klage einreicht, sollte der Versicherte starke Nerven haben, denn erstens dauert es und zweitens sind die Unverschämtheiten, die von der Gegenseite durch deren Anwälte aufgestellt werden, teils sehr belastend. Zumal in der Regel derjenige der klagt, häufig gesundheitlich beeinträchtigt ist. Nicht jeder ist rechtsschutzversichert und muss so das Risiko der Kosten voll tragen. Rechtsschutzversicherte sollten wissen, dass bei zu häufiger Inanspruchnahme der Versicherung, unabhängig wie die Verfahren ausgehen, die Kündigung erhalten. Und die Fälle, wo man allein wegen Behandlungsfehler mehrfach klagen könnte, mehren sich. Was die Krankenkassen angeht, sind diese häufig keine guten Partner, da auf der Sachbearbeiterebene teils gruselige Unkenntnis herrscht bezüglich der Patientenrechte und nach dem Motto verfahren wird "Was ich mir nicht vorstellen kann, gibt es nicht'. So wird, statt nachzufragen, dem Versicherten mitgeteilt, Patientenquittung - gibt es nicht. Einsicht in Unterlagen - gibt es nicht, wenn es der Arzt nicht will. Jahresabrechnung bei gesetzlich Versicherten - gibt es nicht, usw. Das Thema Patientenrechte, welches besser hieße, Krankenversichertenrechte, hat in der Praxis, trotz wohlwollender Theorie, heftige Defizite. Hier sollten Verbände wie der SoVD Kontakt zu Institutionen wie der UPD aufnehmen und daran arbeiten. Die Zahl der Behandlungsfehler, die gar nicht erst bekannt werden, weil Versicherte gar nicht wissen, dass und wie sie sich wehren können, oder die in verschiedenen Einrichtungen absichtlich oder durch Unwissenheit abgewürgt werden, sind immens. Dieses Thema hat zu viele einschneidende Folgen für den Versicherten, als dass man sich allein damit zufrieden geben sollte, die Theorie zu undifferenziert abzudrucken. Auf diese Weise macht man zwar zunehmend publik, dass es Rechte gibt, sorgt aber auch für jede Menge Frustration, wenn der Versicherte erkennen muss, dass er über die von Ihnen genannten Wege gar nicht oder nur sehr viel mühsamer weiter kommt. Und noch eines, nicht nur der Doktor muss richtig aufklären, sondern auch der Arzt!! Aufklärung zum Thema ist dringend in großem Umfang nötig. Mit freundlichen Grüßen Gisa Homann




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