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02.02.2007 - Joachim Stange

02.02.2007 - Leserbrief von Joachim Stange

SoVD-Interview mit Demografie-Forscher Professor Gerd Bosbach

In der SoVD-Zeitung, Februar 2007, gab es ein Interview mit Herrn Professor Gerd Bosbach. Die Aussagen von Herrn Bosbach sind jedoch ergänzungsbedürftig, sie vermitteln teilweise einen falschen Eindruck der Gegebenheiten. So heißt es: 'Also, das Problem des Altern ist überhaupt nichts Neues. Und das soll jetzt ein Problem sein?' Ja, das ist es, denn die Steigerung der Lebenserwartung im vorigen Jahrhundert kam dadurch zustande, dass hauptsächlich die Kindersterblichkeit und die Sterblichkeit der mittleren Jahrgänge stark zurückgingen. Heute dagegen ist die Sterblichkeit der unteren und mittleren Jahrgänge schon fast Null. Jetzt werden nur noch Ältere älter, das ist das Problem. Es heißt: 'Diese Verdreifachung der Rentnerzahl war mit einer riesigen Vermehrung unseres Wohlstandes verbunden.' Nur, in den letzten Jahrzehnten, seit 1970, ist die Vermehrung des Wohlstandes nicht durch die Vermehrung der Rentner verursacht. Die Vermehrung des Wohlstandes in den letzten Jahrzehnten hängt damit zusammen, dass seit 1973 ein Drittel der potentiellen Eltern keine Kinder mehr haben und die Finanzen für Konsum, Fernreisen und Immobilien verwenden konnten. Es wurde mehr materieller Wohlstand geschaffen, dafür weniger Humankapital, was erst einmal Geld gekostet hätte und sich frühestens nach 20 Jahren positiv ausgewirkt hätte. Es heißt: 'Das Phänomen des Alterwerdens und des Weniger-Kinder-Bekommens ist ein Phänomen, das wir das ganze letzte Jahrhundert gehabt haben.' Jedoch eine Geburtenrate weit unter der Reproduktionsrate haben wir dauerhaft erst seit 1970, davor nur in Krisenzeiten, z. B. Kriegen. Sicherlich gibt es Professoren, die die Gegebenheiten realistischer darstellen können, zum Beispiel Professor Birg. Joachim Stange




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