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07.11.2006 - Artur Pritzko

07.11.2006 - Leserbrief von Artur Pritzko

Zum Volkstrauertag

Liebe Freundinnen, liebe Freunde! Mit Freude lese ich unsere Verbandszeitung, ist sie doch informativ und in den Argumentationen auch meistens mit meinen Ansichten identisch. In der Nr. 11/November 2006 fand ich auf Seite 13 einen bemerkenswerten Aufruf "Zum Volkstrauertag". Sie haben in dem Aufruf nur einmal den Begriff "Opfer" gebraucht und sonst richtig von "Toten, Verstorbenen, Verfolgten usw." geschrieben. Dafür sei Ihnen ein großes Dankeschön gesagt. "Opfer" sind nach deutscher Sprachregelung "Gaben an Götter". Wenn also von Opfern von Krieg usw. gesprochen wird, werden der Krieg, der Straßenverkehr, das Verbrechen und sogar die Nazi-Schreckensherrschaft als Götter hochstilisiert. Ich weiß, die Presse ist voll von "Opfern", und der normale Deutsche hat andere Sorgen, als sich um einwandfreies Deutsch zu kümmern. Trotzdem sollte man darüber nachdenken. Ich war früher Leiter eines christlichen Posaunenchors in einem Dorf in Schleswig-Holstein, und zum Volkstrauertag marschierte die örtliche Feuerwehr mit dem Bürgermeister und dem Ortsgeistlichen zum Trauerdenkmal, um Kränze niederzulegen. Der Posaunenchor begleitete die Feierstunde. Wir haben uns im Einvernehmen mit der Feuerwehr geweigert, das Lied von der "unterlassenen Hilfeleistung", nämlich "Ich hat einen Kameraden" zu spielen. (In der 2. und 3. Strophe heißt es: "?er lag zu meinen Füßen, als wär's ein Stück von mir. Wollt mir die Hand noch geben, derweil ich eben lad. Kann dir die Hand nicht geben?"). Das Laden des Gewehrs wird über den Beistand für den sterbenden Kameraden gestellt ? also Hilfeleistung unterlassen. Auch bei der Feuerwehr gilt: Personen vor Sachgütern. Einige Unbelehrbare in der Bevölkerung haben das nicht verstehen wollen. Und die Regierenden verstehen es offenbar auch nicht, wenn sie zur Feier des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge gehen, wo dieses Lied zum Standard der Feier gehört. Die Menschheit hat offenbar aus den Schrecken des Krieges nichts gelernt. Mit freundlichen Grüßen Artur Pritzko




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